Donnerstag, 29. Januar 2015

Zwischenstand

So - nach bald fünf Monaten wird es dringend Zeit, dass ich mich hier mal wieder bloggerisch betätige. Irgendwie verging die Zeit rasend schnell und sie rennt bestimmt auch weiterhin nur so vorbei.

Weshalb ich mich nun ausgerechnet heute melde, hat einen einfachen und großartigen Grund: ich war heute bei meiner ersten Kleideranprobe für mein Ordenskleid. Und ich sage nur: WOW.
Wow, weil's so krass anders und ungewohnt ist, nicht nur prinzipiell eh, sondern auch im Vergleich zu den Vorstellungen, die ich mir so gemacht hatte, wie's sein würde.
Und Wow, weil's einfach wunderschön ist. Noch hat es keine Ärmel, ist noch zu lang, der Kragen fehlt, überall sind Heftnähte und zwischendurch noch ein paar Stecknadeln, die Taschen sind noch Löcher, durch die man durchfassen kann, und einen Schleier, der das Bild abrundet, habe ich natürlich auch noch nicht, aber trotzdem ist es schon wunderschön. (Und ich seh darin richtig gut aus, finde ich...) :)

Und weil ich schon mal dabei bin, zu schreiben, kann ich gleich auch noch ein paar weiter Sätze zu den letzten Monaten verlieren...

Wir haben uns als Noviziat mittlerweile ganz gut zusammengerauft (und raufen gelegentlich weiter) und sind eine - wie ich finde - gute Gruppe geworden. Wir sind total unterschiedlich, das macht die Sache interessant und immer wieder spannend.

Mit meinen Arbeitsfeldern war ich bisher sehr zufrieden: den Putzdienst konnte ich mir erst gar nicht vorstellen, weil das vorher so gar nicht mein Hobby war, aber am Ende konnte ich mich kaum noch von den netten Mitarbeiterinnen trennen und habe gelernt, richtig gerne zu putzen. Wer hätte das gedacht! Und jetzt bin ich seit einiger Zeit im Sticksaal und lerne sticken und habe jeden Tag mehr Freude daran. Das ist eine richtig schöne Arbeit, meditativ, kreativ, überraschend vielseitig, nebenher kann man miteinander reden oder Neues planen und trainiert außerdem noch die Verknüpfung der beiden Gehirnhälften. Bisher war mir noch keinen Tag langweilig hier. ;) Und wer hat in meinem Alter schon noch die Gelegenheit, zwei Jahre mit Drei-Monats-Praktika zu verbringen in Bereichen, die nichts mit dem eigenen Beruf zu tun haben? Das ist schon echt ein Geschenk.

Insgesamt fühle ich mich hier richtig zuhause und merke immer wieder, dass ich nichts aus meinem bisherigen Leben vermisse - wenn man mal von kurzen Sehnsuchtsmomenten nach meinem Auto und einem Wochenende bei meinem Patenkind absieht, und der gelegentlichen Lust auf Döner und Sushi, aber hey, der nächste Ausflug und dann der Heimaturlaub sind gar nicht mehr so lange hin. Wenn ich an meine Arbeit und mein Leben vor dem Noviziat zurück denke, kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, wieder so zu leben. Ich bin hier einfach angekommen und daheim.

Das Schönste aber ist hier die Gemeinschaft: wie die Schwestern miteinander umgehen und sich umeinander kümmern, wie wir miteinander beten, singen und feiern, wie wir uns immer wieder versöhnen und neu anfangen können, und wie jede weiß, dass auch die Anderen noch nicht fertig und am Ende ihres Weges sind, sondern eben alle mittendrin und unterwegs. Diese Gemeinschaft macht es mir leicht, mich fallen zu lassen: in der Gruppe, aber gerade auch im Gebet, wo ich lerne, mich wirklich ganz und gar Jesus hinzuhalten und anzuvertrauen, und das Risiko einzugehen, dass er mich verändert und verwandelt und mir näher kommt als ich es ahnen konnte.

Jetzt, wo ich das durchlese, was ich eben geschrieben habe, merke ich, dass ich mich verliebt habe: in Jesus, dieses Kloster und mein Leben hier... :))

Samstag, 13. September 2014

Noviziatsbeginn

Christus will ich erkennen
und die Macht seiner Auferstehung
und die Gemeinschaft mit seinen Leiden;
sein Tod soll mich prägen.
Nicht dass ich es schon erreicht hätte
oder dass ich schon vollendet wäre,
aber ich strebe danach, es zu ergreifen,
weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.

(Phil 3,10.12)

Donnerstag, 28. August 2014

In den letzten Zügen

Ich liege in meiner Wohnung auf dem Bauch auf dem Boden vor meinem Laptop - das wird wohl mein letztes Update von 'draußen' sein. Auf dem Bauch liege ich auch eher unfreiwillig: die Stühle und der Tisch sind schon weg, jetzt wird noch zwei Tage geputzt, und dann geb ich die Wohnung ab.

Einige Leute haben mich gefragt, ob das nicht schwer ist, alles herzugeben und sich so einzuschränken.
Ganz ehrlich: nein. Ganz im Gegenteil, ich finde es total befreiend, all den Ballast loszuwerden, den man so mit sich rumträgt. Heute war ich im Kloster in meinem Zimmer beim Einrichten, und da dachte ich mehrfach, ich muss mal wieder dringend ausmisten und Zeug loswerden - hier ist es viel zu voll. ;) Ich freu mich immer total, wenn jemand was von meinen Sachen brauchen kann, und stelle fest, dass ich echt gerne was verschenke. Seit ein paar Tagen merke ich allerdings auch, was wirklich essentiell ist: Tisch und Stühle z.B. und genügend Töpfe, Teller und Tassen. Naja, aber irgendwie geht's dann doch ohne (und vielleicht trainiere ich damit ja sogar meine Rückenmuskulatur, wenn ich auf dem Boden liege?).

Ich freue mich total aufs Noviziat, bin gleichzeitig natürlich gespannt, bin aufgeregt, und hab auch ein bisschen Bammel davor. Aber vor allem freu ich mich. :)

So, und jetzt fängt der Rücken langsam an wehzutun, daher mach ich jetzt für heute Schluss... und gehe ins Kloster. :)))

Mittwoch, 6. August 2014

Römisch-deutsche Friedensgrüßerei

Nun muss ich doch auch noch meinen Senf dazu geben: das Thema Friedensgruß schlägt mal wieder Wellen.

Ich muss ganz ehrlich sagen: ich kann diejenigen Menschen irgendwie emotional gesehen verstehen, die sich über das römische Rundschreiben ärgern, und gleichzeitig stehe ich inhaltlich hinter dem Schreiben. Was ich hingegen gar nicht verstehen kann, ist die Hybris, mit der sich manche Diskussionsteilnehmer über Andere und vor allem über die Theologen, die sich da Gedanken gemacht haben, erheben. Worte wie "Liturgiepolizei", "Schwachsinn", "vorvatikanische Isolation des Altarraums" und "Regulierungswut" verletzen auch mich, die inhaltlich näher an Rom ist als anscheinend viele andere Christen im deutschsprachigen Raum. Wer auf dieser Ebene mitredet, macht jede echte Diskussion unmöglich, weil er den Anderen von vorneherein nicht ernst nimmt und ins Abseits stellt.

Die in den Diskussionsforen mehrfache Gleichstellung der Ermahnung zur würdigen Feier des Friedensgrußes mit einem Verbot des Heiligen Geistes bzw. des Glaubens und der Hinweis darauf, dass woanders Krieg herrscht und die in Rom wohl nichts Wichtigeres zu tun haben, lösen in mir Wut aus.
Leute, ja, auf der Welt ist leider Krieg, aber deswegen hört hier doch auch keiner zu essen auf, nur weil andere hungern. Wenn ich Kopfweh habe, nehme ich doch trotzdem eine Schmerztablette, obwohl ich weiß, dass andere Menschen viel Schlimmeres aushalten müssen. Und ja, die Gottesdienstkongregation macht nur ihren Job, wenn sie sich um die würdige Feier der Liturgie kümmert. Man muss ihr nicht in allem zustimmen, aber man muss auch nicht gleich jeden Schlag unter der Gürtellinie ansetzen.


Aber bevor ich mich auch noch ernsthaft aufrege, will ich ein paar Dinge zum Inhalt des Rundschreibens loswerden:

  1. Das Schreiben ging an alle Bischofskonferenzen. Alle. Also auch an die in Lateinamerika, Südostasien, Afrika. Vielleicht sollten wir uns mal Gedanken über das Zielpublikum des Schreibens machen, bevor wir uns aufregen, dass uns jemand einschränken und reglementieren will. (Ich hätte da ja die Theorie, dass wir Europäer da gar nicht so im Vordergrund stehen - bei uns läuft die Friedensgrüßerei meistens doch sehr zivilisiert und ruhig ab.)
  2. Wenn der Priester den Altarraum nicht verlassen soll zum Friedensgruß, heißt das nicht automatisch, dass Rom die Trennung von Klerus und Laien betonen will. Wenn man bedenkt, dass der Friedensgruß erst nach der Wandlung stattfindet, finde ich es dringend notwendig, dass man den Altar nicht mehr verlässt - schließlich ist da gerade Jesus anwesend. Das hat nichts mit einer Geringschätzung der Mitfeiernden zu tun, sondern eher mit einer Wertschätzung Gottes, der gerade mal wieder mitten unter uns ist, und den ich nicht alleine gelassen wissen will.
  3. Beim Friedensgruß geht es weder um ein kuscheliges Gemeinschaftsgefühl noch darum, dass wir uns mit unseren Nachbarn noch versöhnen sollten. Was wir uns da gegenseitig wünschen, ist kein Friedensangebot im Sinne eines Waffenstillstands, sondern der Friede Gottes. Dieser Friede Gottes hängt nicht davon ab, wievielen Menschen ich die Hand gegeben habe, und wie nett sich das anfühlt. Der Friedensgruß ist eine Geste, die etwas inneres ausdrückt: die Bereitschaft, mich für den Frieden Gottes zu öffnen und ihn nach Kräften weiterzugeben. Dass das Weitergeben sich im Händeschütteln nicht erschöpfen kann, muss ich wohl kaum erwähnen.
  4. Eigentlich finde ich, dass der Friedensgruß in der Liturgie an einer anderen Stelle besser aufgehoben wäre (z.B. vor der Gabenbereitung wie im Ambrosianischen Ritus oder von mir aus auch schon beim Kyrie). Gerade die Tatsache, dass Gott schon in der Eucharistie auf dem Altar ist, lässt mich fragen, ob es an dieser Stelle wirklich sinnvoll ist, sich nochmal kurz - zumindest gestisch - von ihm ab- und dem Nachbarn zuzuwenden.

Insgesamt stelle ich fest, dass es dringend an der Zeit ist, dass wir als Kirche uns Gedanken machen, warum wir katholisch sind. Wenn ein kleines Rundschreiben zu einem kleinen Unterthema der Liturgie, das uns möglicherweise gar nicht wirklich betrifft, Diskussionen auslösen kann, in denen sich Leute ernsthaft fragen, ob Rom uns da "an der Nachfolge Jesu hindert" (sic!), dann finde ich, dass wir die Wurzel des Problems angehen sollten: Woran glauben wir denn und wie wichtig ist uns dieser Glaube? Wieso feiern wir Gottesdienst und warum gibt's da bestimmte Formen? Warum sind wir katholisch, und wieso braucht's überhaupt eine hierarchische Kirche? Was hat der Papst damit zu tun und was heißt das für mich, wenn ich mal anderer Meinung sein sollte?

Anstelle der 'Erst-reg-ich-mich-auf-dann-tret-ich-aus-Mentalität' ist es Zeit, sich ernsthaft auseinanderzusetzen, zu diskutieren, zu kämpfen, die eigene Identität zu suchen und dranzubleiben.
Glaubensfragen sind zu wichtig, um sie einfach schulterzuckend zu belächeln und abzutun.

Montag, 28. Juli 2014

Fortschreitende Auflösungserscheinungen

Meine Wohnung versinkt mittlerweile im Chaos.
Stapel neben Stapel an durchsortiertem Zeug, Klamotten, die nicht mehr in den Schrank können, weil der bereits bei jemand anderem wohnt, Schuhe, die großflächige Haufen bilden, und und und. Dazwischen große Staubflusen, die wie immer quasi aus dem Nichts auftauchen, sobald man irgendwas verschiebt, ausschüttelt oder nur anblickt. Und trotzdem ist natürlich immer noch viel zu viel da.
 

Naja, noch habe ich vier Wochen, um das Chaos zu verschenken oder anderweitig loszuwerden.
Und dann... gehe ich ins Kloster! :)