Mittwoch, 18. Dezember 2013

Adventsmusik

Diese Woche singe ich jeden Abend dieses Lied (vermutlich leider nicht ganz so schön wie im Video...), das ich seit meiner Zeit in England sehr liebe, und das es jetzt erfreulicherweise auf Deutsch im neuen Gotteslob gibt (Nr. 222). *freu*
Ach ja, die deutsche Version singe ich auch, aber da immer nur bis zu der Strophe, die die jeweilige O-Antiphon vom Tag ist. Schließlich muss man die Vorfreude und das Warten ein bisschen zelebrieren. ;)




Und weil ein Adventslied nicht reicht, kommt hier gleich noch eins (inklusive einer CD-Empfehlung: ich hab sie und kann sie immer wieder rauf und runter hören, so schön find ich die):




Und aus irgendeinem Grund gehört für mich auch das folgende Stück in den Advent, vielleicht, weil Maria so eine starke Advents-Frau ist. Vor Jahren hab ich das sogar mal selber singen dürfen, als wir mit meinem damaligen Chor Monteverdis Marienvesper aufgeführt haben.




Falls ich nächste Woche daran denke, es zeitlich unterbringe und außerdem noch Lust drauf hab, kommen zu Weihnachten dann auch noch ein paar Lieder. Aber natürlich noch nicht im Advent. ;)

Sonntag, 15. Dezember 2013

Kinder, Eltern und das liebe Chaos (oder die chaotische Liebe...)

Mein Patenkind und seiner Brüder sind total lieb und niedlich und ich bin wahnsinnig gerne bei ihnen. Außerdem sind die Kinder laut und klebrig. Dieses Wochenende ist es mir gelungen, mich für meine Verhältnisse fast schon erschreckend schnell an diese zweite Seite der Kinder zu gewöhnen: bereits Freitagabend war mit klar, dass meine bis dahin saubere Jeans das Wochenende nicht überstehen wird, und das gleiche für Rolli und T-Shirt gelten wird. Brei- und Rotzspuren wurden dann im Laufe des Samstags ergänzt mit Mehl- und Teigresten (Patentanten sind für Lebkuchenhäuser zuständig), die heute früh noch durch Puderzuckergussflecken vervollkommnet wurden.

Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bewundere meine Freundin und ihren Mann, die Eltern dieser Kinder, sehr. Nicht nur, weil sie bei der Dreck- und Chaosaffinität ihrer Kids total entspannt bleiben. (Beim Wickeln pinkelt der Kleine auf den Teppich, die Mutter holt nur mal schnell einen feuchten Lappen und wickelt dann weiter. Tee mit Milch auf dem Sofa? Kein Problem, das Sofa lässt sich abziehen und die Bezüge sind waschbar. Mit Brei werfende Kinder sind normal, Geschirr ist ersetzbar und der Boden muss eh irgendwann abgeschliffen werden. Wände kann man abwaschen, die Kinder in der Badewanne einweichen, und wenn dann doch mal einer unbeobachtet die Herdplatte anmacht, auf der gerade das Nudelsieb aus Plastik steht, ist man einfach dankbar für das Ceranfeld, von dem man das geschmolzene Plastik einfach abkratzen kann.) Ich bewundere sie auch, weil sie gerne Eltern sind und wirklich gute Eltern sind, obwohl das heißt, dass sie seit Jahren täglich die gesamte Wohnung grundreinigen, jeden Tag mindestens einmal den Geschirrspüler, die Waschmaschine und den Trockner laufen lassen, und trotzdem kaum darüber klagen, dass ihre Kinder schneller die Wohnung ins Chaos versetzen als man hinschauen kann. Seit neuestem hat meine Freundin die Idee, mittags, wenn die Wohnung kurz mal sauber ist, weil die Kinder vormittags in der Kindergruppe waren, die saubere Wohnung zu filmen, den Film auf Youtube zu stellen, und den Link an ihren Mann in die Arbeit zu schicken, damit er sieht, wie schön die Wohnung sein könnte. Abends, wenn er heimkommt, ist von besagter Sauberkeit nämlich nichts mehr zu sehen, weil die Kinder effektiver als jeder Bombeneinschlag sind.

Mich beschleicht schon nach einem Wochenende das Hamsterrad-Gefühl. Ich räume auf, die Kinder kippen kistenweise Spielzeug auf den Boden. Ich fülle die Spülmaschine und schalte sie an, und während sie noch läuft, stapelt sich schon wieder frisches dreckiges Geschirr in der Küche. Ich falte saubere Wäsche, und schon sehe ich, dass die Kleinen sich schon wieder so gründlich verschmiert haben, dass man sie umziehen muss. Ich sammle das verschüttete Spielzeug auf (immerhin mit Hilfe des Großen), währenddessen entdecken die Kleinen die Altpapierkiste und werfen alles raus und zerreißen die Zeitung von gestern zu kleinen Schnipseln. Ich räume die fertige Spülmaschine aus und merke dabei, dass eins der Kinder stinkt und gewickelt werden sollte. Ich wickle das stinkende Kind, räume die Spülmaschine gleich wieder mit dreckigem Geschirr voll, koche nebenher Mittagessen mit einem brüllendem Kind auf dem Arm (das auch nur deshalb brüllt, weil ich es davon abhalten wollte, den Wollwaschgang der Waschmaschine auf 95°C umzuprogrammieren und damit die gesamte Wollwäsche zu ruinieren) und versuche den Großen zu überreden, mit den Wachsmalstifen auf Papier und nicht aufs Parkett und den Teppich zu malen. Büchervorlesen, Einkaufengehen, Spielen, Kuscheln, Basteln, Staubsaugen, Bettenmachen und alles Andere, was eben auch noch so dazugehört, mache ich zwischendurch und nebenher...

Nein, ich habe nicht all das eben Beschriebene dieses Wochenende selbst erlebt, aber das lag vermutlich im Großen und Ganzen auch nur daran, dass ich nicht alleine mit den Kindern war, sondern nur zu Besuch. Aber obwohl wir zu dritt waren, waren wir abends alle einfach nur platt - wie das ist, wenn man alleinerziehend ist, möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Was Eltern leisten, ist der Hammer. Ich kann da nur fassungslos und bewundernd zuschauen und mich fragen, wie es immer noch Politiker geben kann, die von einer Herd"prämie" sprechen. Eltern sein ist Knochenarbeit, das ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein Vollzeitjob, und das nicht nur 40 Stunden in der Woche. Ja, die Liebe macht das Elternsein wunderschön, aber deswegen nicht weniger anstrengend.

Wenn ich das sehe, habe ich das Gefühl, dass ich es mir echt ziemlich leicht mache, weil ich ins Kloster gehe...

Sonntag, 8. Dezember 2013

Arbeiter im Weinberg

Heute hat mich eine Email erreicht, die mich zutiefst berührt hat, und für die ich sehr, sehr dankbar bin.

"Liebe ...,
ich möchte mich bei Ihnen für Ihre Bemühungen anlässlich der Nacht der offenen Kirche bedanken.
Sie haben sich wahnsinnig viel Mühe zum Gelingen für diesen Abend gemacht.
Es war eine ganz neue Erfahrung sich auf diese Weise in der Kirche zu bewegen.
Jede Station war für sich wertvoll und die Texte waren gut ausgewählt um sich auf das jeweilige Thema einzulassen.
Das aktive „Tun“ an der jeweiligen Station hat das Ganze noch aufgewertet.
Ich bin jetzt 63 Jahre alt und habe das erste Mal in meinem Leben Weihrauch in der Hand gehabt.
Auch bin ich zum ersten Mal so nah am Altar gestanden. Ich könnte jetzt jede Station aufzählen - es war einfach gut. Ich hatte das Gefühl, dadurch Jesus noch näher zu sein.
Ganz herzlichen Dank. Machen Sie weiter so.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.
Liebe Grüße,
..."

Wenn meine Arbeit auch nur eine einzige Person ein kleines Stück näher zu Jesus bringen kann, hat sie sich gelohnt.

Ich kann gar nicht in Worten ausdrücken, was das für mich heißt zu wissen, dass Menschen auch durch mich näher zu Gott kommen können. Das macht mich ganz klein und dankbar, und ich habe das Gefühl, dass es mir das Herz zerreißt von seiner Liebe.

Das ist es vielleicht, was es heißt, Arbeiter im Weinberg Gottes zu sein - bei aller Schufterei wächst doch immer wieder etwas heran, für das wir nichts können, und bei dem wir höchstens ein bisschen geholfen haben, dass es nicht eingeht. Gottes Wege sind einfach wunderbar wunderbar...


Ich glaube, ich drucke mir die Email aus und hänge sie ins Büro über meinen Schreibtisch, damit ich mich immer wieder daran erinnern kann, wofür es sich lohnt zu arbeiten, und welches Geschenk es ist, dass ich diesen Beruf haben darf.


Sonntag, 1. Dezember 2013

Gute Neuigkeiten in der Warteschleife

Die gute Nachricht, wegen derer ich Dinge wie 'Yippie, Yay und Juhuu' schreibe, muss leider noch eine Weile auf ihre Veröffentlichung warten - ich habe einen temporären Maulkorb bekommen. Wer mich live kennt, darf mich aber gerne darauf ansprechen. Der Maulkorb ist nur ein offizieller, d.h. persönlichen Freunden und so kann ich in der Regel schon alles erzählen, aber ich darf halt im Moment noch nichts offiziell und öffentlich sagen.

Keine Angst, das mit dem Maulkorb ist nichts schlimmes, ich habe keine Haue gekriegt für irgendwas, das war nur eine (wie ich ehrlich zugeben muss, vermutlich weise) Entscheidung, an der ich auch selbst beteiligt war.

Also: freut euch auf mehr, sobald ihr mich seht - alternativ irgendwann im Januar, denn dann ist die Maulkorbzeit eh vorbei. :)

Und bis dahin: Freut euch einfach in aller Unwissenheit mit mir! :)))

Donnerstag, 28. November 2013

Das Märchen von den Brotstücken

Es war einmal vor langer, langer Zeit eine junge Frau, die liebte ihre Kirche sehr. Und weil sie ihre Kirche so sehr liebte, dass sie alle ihre Tage und wohl auch so manche Nacht mit ihr verbringen wollte, wurde sie Pastoralreferentin.

Eines Tages begab es sich, dass die junge Frau auf eine Fortbildung war. Dort traf sie einen Mann, der war so klug, dass sie vor Ehrfurcht ganz geblendet war, und kaum bemerkte, dass er Priester war. Vielleicht lag ihr spätes Erkennen seiner priesterlichen Würde auch daran, dass er keine äußeren Merkmale dieser Würde trug, oder er sich ihr sonst zu erkennen gegeben hätte.

Es trug sich also zu, dass am letzten Tage der Fortbildung eine Messe gefeiert werden sollte, der besagter Priester vorstehen wollte. In der Pause vor der Messe fand die Frau vor dem Saal, in dem gefeiert werden sollte, einen Korb mit Brotstücken - Brot vom Frühstück, das von den dienstbaren Geistern des Hauses liebevoll in kleine Quadrate geschnitten worden war - und war erstaunt, war doch die gewöhnliche Pausennahrung kein Brot, sondern Schokoladenkekse. Voll dunkler Ahnung sprach ein anderer Priester zu der jungen Frau: "Wetten, dass das gleich im Gottesdienst auftauchen wird?" Die junge Frau war aber klug und wollte nicht auf diese Wette eingehen, hatte sie doch ähnlich dunkle Vorahnungen.

Weil die Welt böse ist und der Teufel ein Eichhörnchen, trafen die Vorahnungen des Priesters und der jungen Frau ein: der Korb mit Brotstücken stand alsbald auf einem Tuch, das im Saal auf dem Boden lag. Neben dem Korb war ein goldener Kelch mit Wein, dann eine Kerze, ein Kreuz, und ein grün-weißer Tischläufer. Der Priester, der die Messe halten wollte, legte sich also den Tischläufer über dem Karohemd um den Hals und begann die Messe. 

Weil die Messe erst um 10:45 Uhr begonnen hatte, strich er tapfer Lesung und Psalm, und predigte stattdessen lange. In der Predigt erzählte er von seinen großen Taten, gefährlichen Produktionslinien und verheißungsvollen Notknöpfen, die er gerne drücken würde. Gleichzeitig gelang es ihm, den anwesenden jungen Priestern, Diakonen, Pastoralreferentinnen und Gemeindereferenten auf solch moralinsaure Weise das Zuhören zu verleiden, dass der eine oder andere sich in gesegneten Schlaf flüchtete. 

Gegen 11:45 Uhr begann er also mit der Gabenbereitung - und weil die Stunde schon weit fortgeschritten war und die Zeit drängte, wurde das Schweizer Hochgebet, das vor ihm auf dem Boden lag, liebevoll aus dem Gedächtnis verkürzt und frei vorgetragen, bis er mit den Einsetzungsworten versuchte, das quadratisch geschnittene Brot zu wandeln. Die junge Frau wusste nicht, ob diese Wandlung tatsächlich stattfand. Sie wusste wohl, dass der Priester unerlaubt handelte, da er gesäuertes Brot zu wandeln suchte. Sie wusste aber nicht sicher, ob die materia defecta ausreichte, aus der unerlaubten Handlung eine ungültige zu machen. Sie war außerdem entsetzt über den Versuch, auf solch dreiste Weise den Herrn selbst kirchenpolitisch zu verzwecken und sich über Vorschriften hinwegzusetzen, die doch niemandem geschadet oder wehgetan hätten. 

Geplagt von innerem Zwiespalt und Glaubenszweifeln durchlitt die junge Frau das Vaterunser, bei dem sie gezwungen war, die Hände ihrer Nachbarn zu halten, und entschied sich dann mutig, auf den Kommunionempfang zu verzichten. Mit ihr verzichteten noch eine ganze Reihe anderer geplagter Gläubiger darauf, den Korb mit den möglicherweise heilsrelevanten Brotstücken im Kreis herumzugeben. Als der Gottesdienst nach etlicher Zeit schlussendlich doch noch sein Ende gefunden hatte, sprach der zelebrierende Priester noch: "Damit Sie sich keine Gedanken machen, was mit der Eucharistie geschieht: Ich werde das Brot mitnehmen und heute Abend bei einem Treffen mit Kollegen eine Agape damit feiern." 

Das Entsetzen stand nicht nur der jungen Frau ins Gesicht geschrieben. Beim anschließenden Mittagsmahl tauschten sich die Teilnehmer der Fortbildung noch lange und entrüstet darüber aus, wie man auf solch einen Gottesdienst zu reagieren habe, ob Jesus überhaupt im Brot anwesend gewesen sei, und was man hätte tun sollen mit dem übrigen Brot, das doch vielleicht Jesus sei.

So war aus der Feier der Einheit eine Feier der Spaltung, des Zweifels und der Unsicherheit geworden.

Und weil sie keine andere Lösung wusste, betete die junge Frau noch lange für alle, die diese Feier miterleben mussten, für den Priester, der sie gefeiert hatte, und dafür, dass sie selbst wisse, was sie glauben solle.

Und wenn sie nicht gestorben ist, so betet sie vielleicht noch heute.

Samstag, 23. November 2013

Die anderen Schwestern

Der Kontakt zu meinen Schwestern in der Gemeinschaft etwas wirklich Schönes und Großes in meinem Leben.

Und weil's so schön ist, stelle ich hier eben mal ein Video von einer Schwestern rein, die genau wie ich eine musikliebende Pastoralreferentin ist. :)





Und außerdem: HURRA, YIPPIE, YAY, JUHUU!!! (Näheres erklär ich demnächst mal...)

Dienstag, 19. November 2013

Blogopause

Momentan ist viel zu tun. Naja, viel ist vielleicht noch eine Untertreibung. Irgendetwas sagt mir, dass ich die Kehlkopfentzündung letzte Woche nicht nur wegen des kalten Wetters bekommen habe. Zu wenig Schlaf und zu viel Arbeit und insgesamt einfach Stress mögen wohl das Ihre getan haben um mein Immunsystem klein zu kriegen.

Diese Woche bin ich wieder einigermaßen fit (reden geht, singen noch nicht), habe aber beschlossen, dass ich mich von der Arbeit, die nach einer Woche Krankheitspause auch nicht weniger geworden ist, nicht klein kriegen lassen will. Daher nutze ich meine wenige Freizeit zu sinnvoller Erholung und habe heute Muffins fürs Dienstgespräch morgen gebacken (Cheffe hatte Geburtstag, da kann man das schon mal machen).

Rotweinmuffins, die übrigens total frei von irgendwelchen künstlichen Farbstoffen sind - auch, wenn's nicht danach ausschaut. Rotwein hat eben auch einen wunderschönen Farbton. ;)
Dass ich in der letzten Zeit nicht gebloggt habe, liegt wohl auch am Stress - meine Kreativität ist gerade etwas eingeschränkt und mir fällt nichts Gutes ein, was ich für einen Post verwenden könnte.

... und darum schreibe ich über Muffins. ;)

Dienstag, 5. November 2013

Die Reaktion der Basis...

... auf lange ersehnte Veränderungen in der Kirche ist doch immer wieder interessant. ;)


Warum nur kann ich jetzt schon eine ganze Liste mit Namen aufzählen, die so oder so ähnlich auf das neue Gotteslob reagieren werden? Genau, weil das tatsächlich auch mein erster Gedanke war, als ich es mal durchgeblättert habe. Tja, an meiner Flexibilität im Bereich von Liednummern kann ich also auch noch ein bisschen arbeiten. ;) Ansonsten muss ich aber ehrlich sagen: ich finde das neue Gotteslob (zumindest mal im noch gemeindeunerprobten Zustand) richtig gut - da sind echt tolle Sachen drin und es ist eine ziemlich gute Mischung aus Altem, ganz Altem und Neuem.

Apropos gutes Neues: ich habe dieses Jahr entschieden, dass ich nicht mehr alle Arbeit mache, die ich auch delegieren könnte; deswegen bilden die Firmlinge ab jetzt ihre Gruppen selbst und suchen sich auch selber einen Gruppenleiter. Ihre Projekte machen sie eh schon selber. Und ich muss ehrlich sagen: alleine die Tatsache, dass ich keine Gruppenleiter mehr suchen muss, erleichtert mich sowas von kolossal, spart mir Stunden am Telefon und ich weiß nicht wieviele Nerven, so dass ich der Firmvorbereitung fast schon entspannt entgegen gehe.
Ach ja: die Firmlinge fanden diese Neuerung echt cool, weil sie so mal endlich aussuchen dürfen, mit wem sie sich zusammen auf die Firmung vorbereiten wollen. War also eine kleine Revolution ohne jeglichen Widerstand, hurra!

Jetzt muss ich mich also nur noch in allen meinen anderen Arbeitsfeldern entbehrlich machen, und dann gehe ich ganz entspannt ins Kloster.
Sollte das nicht klappen, bevor das Noviziat beginnt, gehe ich eben etwas weniger entspannt ins Kloster. ;)

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Katholische App-Empfehlung

Für alle, die wie ich schon immer gerne das Stundenbuch auf dem Handy gehabt hätten:
http://www.pressebund.de/beten-per-app-stundenbuch-app.html

Hübsch gemacht, kostenlos, benutzerfreundlich, katholisch. Was will man mehr?!

Ich kann's also nur empfehlen! :)

Montag, 28. Oktober 2013

Kann man einen Menschen verlieren?

Sie hält mich für verrückt.

Sie meint das leider nicht im umgangssprachlichen Sinne, sondern psychologisch oder vielleicht sogar pathologisch. Sie hält mich nicht für anders, unverständlich, mutig oder sonst irgendwas, was man positiv deuten könnte. Sie hält mich für psychotisch und behandlungsbedürftig.
Sie sagt, dass ihr schlecht wird bei dem Gedanken, dass ich ins Noviziat will. Sie hat das Gefühl, dass ich mir freiwillig Gliedmaßen abschneide, wenn ich ins Kloster gehe. Ihr erscheint ein Leben im Orden, mit Gelübden, ohne Kinder und ausgelebte Sexualität so absonderlich, dass sie es auf eine Stufe mit einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung stellt. (Bevor jemand fragt, ob ich hier interpretiere: nein - das meiste zitiere bzw. paraphrasiere ich.)

Eigentlich hat sie mich heute wegen einer ganz anderen Sache angerufen. Dummerweise erwähnte ich in meiner Antwort, dass ich froh sei, diese Sache noch vor dem Noviziat erledigen zu können. Tja, ich hätte wissen müssen, dass das 'N-Wort' bei ihr Allergien auslöst.

Dass sie mich für verrückt hält, kann ich irgendwie noch hinnehmen, auch wenn ich dem absolut nicht zustimmen kann. Ich kann schließlich nicht von jedem Menschen erwarten, dass er meinen Schritt versteht oder sogar gutheißt. Aber es verletzt mich, dass sie mir das so sagt. Das war kein liebevolles 'willst du es dir nicht noch mal überlegen'. Das war einfach nur eine verbale Klinikeinweisung auf einem satten Unterton von 'ich gebe dich auf, das ist nur noch krank'.

Schade, ich hatte gedacht (oder vielleicht auch nur gehofft), dass unsere Beziehung so langsam wieder besser wird, und dass sie meinen Schritt akzeptieren könnte. Sie war bei meiner Kandi-Aufnahme da gewesen, und ich hatte wirklich den Eindruck gehabt, dass hinterher so manches einfacher geworden wäre.

Sie hat mir einen kleinen Vortrag gehalten, dass Toleranz nur ertragen und hinnehmen hieße (ja, ich hatte es provoziert, indem ich gemeint habe, dass ich von ihr etwas mehr Toleranz erwartet hätte), und dass sie das ja tun würde (ich habe nicht gefragt, was ihrer Meinung dann in unserem Fall Intoleranz bedeuten würde), und dass ich nicht erwarten könne, dass sie mich versteht oder etwa auch noch unterstützt.

Nun, nein, ehrlich gesagt hatte ich nur erwartet, dass sie mich als Person stehenlässt. Dass sie mich weiterhin in meinen Entscheidungen ernst nimmt. Leider habe ich nicht den Eindruck, dass das noch der Fall ist, wenn sie mich für krank hält.

Das tut echt weh: dass sie mich nicht mehr ernst nehmen kann, dass sie mir solche Sachen einfach ins Gesicht sagt (immer mit dem Hinweis, dass ich das jetzt nicht falsch verstehen soll), dass sie mich irgendwie abgeschrieben hat, weil ich dieses Leben wähle.

An meiner Entscheidung rüttelt das alles nicht, wohl aber an meiner Freude darüber. Ich hatte echt schon geglaubt, dass ich zu den glücklichen Menschen gehöre, für die das Evangelium nicht ganz so wahr würde, von wegen Mutter, Vater, Schwestern, Brüder, Äcker und Häuser verlassen. Scheint so, als wäre ich nun doch eine derer, die jemanden zurücklassen müssen, um Jesus nachzufolgen. Vielleicht sollte ich froh und dankbar sein, dass es sich nur um einen Menschen handelt und nicht auch noch alles andere dazu. Weniger schmerzhaft macht das aber die Sache nicht. Auch, dass ich laut Evangelium das Hundertfache zurück bekommen werde, macht die Sache nicht leichter. Ich liebe sie genauso wie sie ist, es gibt sie einfach nur einmal, und ich hätte einfach gerne eine gute Beziehung zu ihr, und nicht zu hundert anderen.

Es war ein langes und anstrengendes Telefonat mit ihr, und ich bin alles andere als zufrieden damit. Als wir aufgelegt haben, waren wir beide glaube ich ziemlich erschlagen von der Intensität. Ich habe das Gefühl, als hätte ich sie mit einem Schlag verloren. Nicht, dass unsere Beziehung immer leicht, eng und schön gewesen wäre - im Gegenteil -, aber sie gehört doch einfach zu mir.
Ich hoffe und bete, dass ich sie nicht wirklich verloren habe, sondern dass das nur eine Phase in unserer Beziehung ist, und dass wir uns irgendwann wieder näher kommen. Aber wissen kann ich das leider nicht. Was ist, wenn ich sie wirklich verliere, weil ich ins Kloster gehe? Was ist, wenn ich da gerade etwas zerbreche, was nicht mehr zu kitten ist?

Ich weiß nur eins: ich gehe trotzdem ins Kloster.

Nicht, weil ich über Leichen gehen will, sondern weil ich nicht anders kann. Weil Jesus mein Weg, meine Wahrheit und mein Leben ist, und das nicht nur auf dem Papier, sondern wirklich ganz und gar. Momentan macht mich das leider eher traurig als froh.

Dienstag, 22. Oktober 2013

Happy feastday!

Zwei meiner Lieblingsheiligen haben heute Gedenktag: die Hl. Salome und der Sel. Johannes Paul II.

Salome hat sich mir vor einigen Jahren einfach aufgedrängt - eigentlich wollte ich mich nur bei einem katholischen Forum anmelden, und habe überlegt, welchen Onlinenamen ich nehmen soll. Und irgendwie kam mir da der Name Salome in den Sinn und hat mich nicht mehr losgelassen. Zuerst dachte ich, naja, die Tochter der Herodias, das kann man nur als Witzname nehmen, die hat sich ja nun wirklich nicht mit Ruhm bekleckert. Dass der Name 'Friede' bedeutet, hat mir aber von Anfang an gefallen. Und dann habe ich irgendwann entdeckt, dass es ja noch eine Heilige mit dem Namen Salome gibt, die auch noch biblisch ist: im Markusevangelium heißt die dritte Frau unter dem Kreuz Salome, und sie ist auch bei den Frauen, die das leere Grab finden. Noch später habe ich rausgefunden, dass sie der Tradition nach die Frau des Zebedäus war und damit Mutter von Jakobus und Johannes - wie schön ist das!
Seit dieser Zeit ist Salome meine Patronin, und ich habe ihren Namen online beibehalten. Sie gehört einfach zu mir. :)

Zu Johannes Paul II. brauche ich wohl nicht viel zu sagen - der ist zu bekannt, als dass ich über ihn noch viel schreiben müsste.
Nur so viel: er ist COOL.



Und daher: Happy feastday!!

Montag, 21. Oktober 2013

Du Opfer

Die Theologen sagen, die Welt versteht nicht mehr, was Opfer bedeutet.
Die Jugendlichen sagen, doch, du Opfer.

Opfer ist ein Schimpfwort. Wer ein Opfer ist, ist selber Schuld. Opfer werden gemobbt, sind Loser, Außenseiter, niemandes Freund. Opfer sind eben Opfer.

Und dann reden wir leichtfertig vom Opfer Christi als etwas, das es zu bewundern und zu verehren gilt, ohne groß darüber nachzudenken, was das eigentlich heißt.

Dass Gott Mensch geworden ist, ist eine riesen Sache. Unvorstellbar. Dass Weihnachten und Karfreitag direkt zusammen hängen, daran denkt man selten. Das ist noch riesiger, noch unvorstellbarer. Warum hat er das getan? Warum ist Gott in Jesus Mensch, Opfer und Erlöser geworden?

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich weiß es nicht. Ich kann versuchen, mich der Sache schrittweise zu nähern, aber ich bezweifle stark, dass ich sie jemals ganz verstehen kann.

Am besten, wir gehen zurück zu den Basics.

Gott ist die Liebe.
Nicht nur ein bisschen, sondern wirklich ganz und gar. Er kann nicht anders als zu lieben, und er liebt uns Menschen, uns alle gemeinsam und jeden einzelnen von uns. Und wie das so ist, wenn man jemanden liebt, möchte er uns nahe sein. Leider sind wir Menschen nicht ganz so perfekt, wenn es um Liebe geht, und laufen immer wieder vor ihm davon. Weil wir also nicht zu Gott kommen, kommt Gott zu uns. Er zieht quasi bei uns ein, passt sich unseren Regeln an, wird so wie wir, eben Mensch.

Gott macht keine halben Sachen.
Früher oder später wird bei Gott jede halbe Sache ganz. Mensch zu werden alleine wäre ja schon riesig gewesen, aber weil Gott uns wirklich ganz und gar nahe sein will, geht er den ganzen Weg mit uns, von Geburt bis Tod und darüber hinaus. Und das (natürlich...) nicht auf die leichte Weise, sondern auch hier wieder die Vollversion, so tief es geht. Gott stirbt für uns, durch uns und mit uns, allen gemeinsam und jedem einzelnen. Sein Tod am Kreuz geht so weit, dass er darin jedem Menschen begegnet, jedes Opfer findet sich in ihm wieder, jeder Schuldige hängt neben ihm am Kreuz und hört das Versprechen, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein, und jeder Gewinner feiert mit ihm Auferstehung.

Der Tod ist nicht genug.
Es reicht nicht, Mensch zu werden und zu sterben, weder für uns Menschen noch für Gott. Gott ist ewig, er liebt uns ewig und will uns ewig nahe sein. Weil wir nicht so einfach zu ihm kommen, kommt er zu uns, und weil wir nicht ewig bleiben, wo wir sind, nimmt er uns mit. Durch den Tod hindurch ist er uns vorausgegangen, und geht gleichzeitig jeden Tag mit uns weiter, nimmt uns mit in seine Ewigkeit, die wir uns nicht vorstellen können, höchstens ahnen und glauben.

Jesus, du Opfer.
Gott will wirklich ganz und gar sein wie wir, und das heißt in letzter Konsequenz, dass er zum Opfer wird. Er legt sich in unsere Hand (und das ist jetzt nicht nur bildlich gemeint!), lässt mit sich machen. Verdient hat er das nicht - und wir auch nicht. Aber bei Gott geht es nicht um Verdienst, sondern um Gnade. Das ist genau der Punkt, wo Jesus, das Opfer, zu dem wird, was er auch noch ist: einer, der sich für uns opfert. Jesus wird nicht einfach nur dadurch zum Opfer, weil wir Menschen Täter sind, sondern vor allem dadurch, weil er in sein Menschsein einen Sinn legt, den nur er dem Leben und Sterben geben kann: was er tut, tut er aus Liebe zu uns. Er lässt uns mit ihm alles machen, weil er uns liebt, weil er im wahrsten Sinne des Wortes Alles dafür tun würde, um uns nahe zu sein, um uns zu lieben. Das haben wir nicht verdient - aber er hat es gewählt. Das ist Gnade, Liebe, Vollkommenheit. Gott eben.

Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Was immer uns weh tut, woran immer wir leiden: wir sind niemals alleine in unserem Schmerz und Leid. Er war schon da und ist es jeden Tag aufs Neue. Er kennt unsere Ängste nicht nur, weil er uns zusieht und zuhört, sondern weil er sie selbst erlebt hat und erlebt. Weil ich weiß, dass er leidet, wenn ich leide, ist mein Leid nicht mehr leer und sinnlos. In meinem Leid finde ich ihn, finde ich Gott, finde ich ein Fenster in die Ewigkeit. In meinem Leid kann ich ihm nachfolgen und mit all den Menschen mitleiden, mit denen er mitleidet. Mein Leid wird zum Gebet meines Körpers und meiner Seele, das ich ihm hinhalte, weil er mich liebt und ich ihn lieben will. Mein Leid wird zur Fürbitte für alle, die auch leiden. Durch seine Wunden bin ich geheilt, weil meine Wunden in seinen Wunden ihren Platz finden, und mein Leben mit ihm wieder einen Sinn hat.


Wie gesagt - schrittweise und immer unvollständig. Die Fragen von Erbschuld, Sünde, Sühne und Erlösung habe ich noch nicht mal richtig angekratzt, und werde es heute auch nicht mehr tun.

Aber eines weiß ich heute schon:
Jesus, du Opfer, ich liebe dich.

Und darum gehe ich ins Kloster.

Dienstag, 15. Oktober 2013

Die Sache mit dem Apfel...

... ist so: in jedem gesunden Apfel wohnt auch ein gesunder Wurm.

Heute möchte ich mich mal weniger auf die Äpfel als auf die Würmer konzentrieren, ein bisschen im Selbstmitleid versinken und dann hinterher hoffentlich wieder daraus auftauchen.

Was ich anschließend mit den Äpfeln mache, bleibt die Frage: Kann ich reinbeißen, so wie Adam und Eva, oder hat das dann (wie bei den beiden auch) nur noch mehr Würmer zur Folge? Auf den Kompost werfen will ich sie nicht - das wäre mal echt eine Verschwendung (hm, waren Adam und Eva etwa Schwaben, so dass sie jeden, aber auch wirklich jeden Apfel verwerten mussten, und der Grund für den Sündenfall damit nur, dass die zwei nichts verkommen lassen konnten?). Kann ich die Würmer theologisch legitim rausschneiden und Apfelkuchen backen? Oder würde ich damit Gottes Gnade vorgreifen (und kann man Würmer überhaupt aus dem Apfel des Lebens entfernen)? Oder sollte ich die Würmer besser einfach lassen, wo sie sind, und die Äpfel mitsamt Würmern zu Apfelsaft pressen, oder idealerweise zu Most (für Nichtschwaben: Most ist Apfelwein, Cidre, oder wie auch immer ihr das nennt)?




1. Der kirchliche Apfel in Deutschland ist ja wohl nicht mehr ganz sauber.

Nein, ich möchte mir kein Urteil anmaßen über das, was da in Limburg abläuft. Dafür sind mir die Umstände zu verwirrend, und die Motivationen derer, die sich darüber auslassen, zu undurchsichtig. Dass aber die Glaubwürdigkeit der Kirche schwer angekratzt (oder sollte ich, um im Bild zu bleiben, besser sagen: angenagt) ist, daran besteht kein Zweifel. Da haben wir einen wunderbaren Papst, der all die richtigen Zeichen in unsere Zeit setzt, der so authentisch, glaubwürdig und nah am 'Volk' ist wie kaum einer zuvor, und dann haben wir in Deutschland nichts besseres zu tun, als nicht nur viel Geld auszugeben, sondern dann noch die Schuld vom einen auf den anderen zu schieben.
Was die Sache dann noch toppt, ist ein Videokommentar aus meiner höchsteigenen Diözese, der mir die Schamesröte ins Gesicht treibt: ja, klopfen wir uns selbst auf die Schulter, weisen wir darauf hin, wieviel besser wir als Limburg sind, dann fällt vielleicht keinem auf, dass auch unser kleiner Apfel einen Wurm haben könnte.


2. Dieses Jahr ist bei mir gesundheitlich echt der Wurm drin.

Bevor ich 30 war, war ich (mit Ausnahme meiner Geburt) noch nie stationär im Krankenhaus. Knapp einen Monat nach meinem 30. Geburtstag dann zum ersten Mal, und so wie's aussieht, könnte es jetzt, nicht mal zwei Monate nach der letzten OP, bald schon wieder so weit sein: ich habe einen Gallenstein. Der kann zwar keine Koliken verursachen (er ist mit 2cm zu groß, um in den Gallengang rutschen zu können), dafür ist die Gefahr für eine Gallenblasenentzündung aber ziemlich hoch, was zwar weniger schmerzhaft, aber wohl deutlich gefährlicher ist als eine Kolik.

Eigentlich wollte ich gar nicht zum Arzt, schließlich weiß man ja nie, was da raus kommt. Aber nachdem diese leichten Bauchschmerzen seit über zwei Wochen nicht nachgelassen haben, dachte ich gestern auf dem Rückweg vom Zahnarzt, dass ich vielleicht mal in der Arztpraxis nachfrag, ob ich deswegen gleich in die Sprechstunde muss, oder ob ich das weiterhin ignorieren kann. Tja, selber Schuld. Was frag ich auch nach.

Mein Arzt ist sich zwar noch nicht sicher, ob die Bauchschmerzen überhaupt von dem Gallenstein kommen, meint aber, dass so ein Gallenstein nahezu immer irgendwann Probleme macht, ganz egal, ob meine momentanen Bauchschmerzen was mit ihm zu tun haben oder nicht.

Dass ich kein Freund von Krankenhaus, Operationen und Schmerzen bin, brauche ich ja wohl nicht mehr zu erwähnen.

Selbstverständlich denke ich wieder an die Regel: "Und für alles, was ihnen widerfährt, sollen sie dem Schöpfer Dank sagen, und sie mögen so zu sein verlangen, wie der Herr sie will, gesund oder krank." Würmer haben vermutlich nicht nur eine Lebensberechtigung, sondern für den Apfel einen tieferen Sinn, den der Apfel nur noch nicht erkennen kann.


3. Willkommen in Wurmhausen.

Wo ich wohne, ist auch nicht alles ohne. (Und was sich reimt, ist gut. Sagte Pumuckl schon immer, und der muss ja recht haben.)

Die Tochter meiner Nachbarin stirbt an Krebs. Meine Nachbarin ist schon 80, aber ich finde, irgendwie sollte man in dem Alter doch irgendwann mal das Recht darauf bekommen, vor den eigenen Kindern sterben zu dürfen. Nicht, dass ich meine Nachbarin übermäßig gut kennen würde, wir reden halt manchmal im Garten oder nach der Kirche. Ihre Tochter kenne ich persönlich überhaupt nicht. Aber am Sonntag hat die Nachbarin auf dem Heimweg von der Kirche geweint, als sie mir erzählt hat, was los ist. Das tut so weh: ich will, dass es ihr gut geht, dass das nicht wahr ist, was da gerade passiert, und weiß doch, dass ich absolut nichts tun kann. Klar, Beten ist nicht nichts und Zuhören auch nicht. Aber ich fühle mich trotzdem total hilflos, und würde ihr so gerne etwas sagen können, das hilft, aber das müsste ein Zauberspruch sein, und den gibt es leider nicht.

Viel weniger schlimm ist die Tatsache, dass der Winter kommt, und ich wieder heizen muss. Diese Heizerei ist echt doof und vor allem teuer: Meine Wohnung ist groß, hat dicke Wände, und schrottige Fenster. Durch diese Fenster fällt die Kälte rein und die Wärme fliegt raus. Außerdem hat meine Wohnung Elektro-Nachtspeicheröfen. Die Dinger fressen Strom, dass einem bei dem Blick auf den Stromzähler schwindelig wird. Und dann lese ich heute in den Nachrichten, dass die Strompreise schon wieder erhöht werden. Gott sei Dank habe ich einen guten Job und genug Geld, mir die Wärme in meiner Wohnung leisten zu können! Aber was ist mit all denen, die kein Geld haben, aber eine ähnlich energiefressende Wohnung?
Welchen Sinn hat denn bitte hier der Wurm im Apfel?




Vielleicht sollte ich die Äpfel und ihre Würmer einpflanzen, und hoffen, dass Gott aus der Apfel-Wurm-Kombi noch etwas Gutes und Schönes macht.


Dienstag, 8. Oktober 2013

Römische Eindrücke

Alle Wege führen nach Rom. Das ist nicht das Problem.
Das Problem sind die Wege, die durch Rom führen.

Nach fast vier Tagen in der ewigen Stadt habe ich heute (zwei Tage nach der Rückkehr) immer noch solche Blasen an den Füßen, dass es nicht mehr feierlich ist.

Rom besteht aus Stein. Schönem Stein meistens, aber doch Stein. Wenn man Glück hat, sieht man manchmal ein paar Topfpflanzen auf einem Balkon, und wenn man Richtung Forum Romanum/Colosseum/Circus Maximus unterwegs ist, sogar ein paar Bäume und Gras. Aber ansonsten: Stein. Bis ins sechste oder siebte Stockwerk. Zwischendurch frage ich mich etwas ketzerisch, ob Rom deshalb die ewige Stadt genannt wird, weil sich dieser Stein ewig hält und dank ihm sich jeder Weg wie eine Ewigkeit anfühlt.


So gerne und überzeugt ich römisch-katholisch bin, muss ich doch leider feststellen, dass Rom nicht meine Stadt ist. Im Gegenteil, ich bin irgendwie froh und erleichtert, als ich wieder heim fahren darf.

Rom ist laut, Rom ist voll, Rom ist rastlos. Rom ist voll von Touristen, Taschendieben, Straßenhändlern, Pilgern, Touristenguides.
Was ich in Rom nahezu vergeblich suche, ist die Stille. In jeder Kirche, in die ich komme, ist etwas los: Touristen, die sich von rechts nach links und von hinten nach vorne und dann wieder zurück schieben und dabei alles, aber auch wirklich alles fotografieren. In einer Kirche sind zwei oder drei Messen gleichzeitig, seltsamerweise alle auf Englisch. Zwischendrin geführte Gruppen. Vereinzelt mal ein weinendes Kind (überhaupt habe ich nur sehr wenige Kinder in Rom gesehen). Dort eine fromme Pilgerin, die lautstark auf einer Sprache betet, die ich nicht verstehe, und sich dabei verneigt und eine bestimmte Anzahl von Runden in der Kirche dreht. Selbstverständlich immer laut betend.
Im Petersdom habe ich Glück: ich finde eine Seitenkapelle, in der gerade eucharistische Anbetung ist. Nicht, dass es dabei still wäre, dazu sind die immerwährenden Pilgerströme im Hintergrund viel zu laut, aber immerhin. Wie sehr ich die Stille suche und brauche, merke ich, als ich mich auf den Weg zur Beichtecke mache. Wenn ich schon keine äußere Stille haben kann, will ich wenigstens innere finden. Zum Glück spricht einer der Beichtväter Englisch, und schaut mich außerdem noch mit einem Blick an, in dem ich die Augen Jesu erkennen kann. Wenn das nicht echte Beichtgnade ist!

Unsere Gruppe ist total nett: alles Erzieherinnen, nur zwei Männer, etliche in meinem Alter. Ein paar kenne ich schon, die meisten noch nicht. Die, die ich kenne, wissen natürlich, dass ich Theologin bin, und fragen mich aus. Warum da ein toter Papst hinter Glas liegt. Ob alle Kapuziner die Knochen ihrer Toten in Ornamenten an die Wand hängen. Was die Zahlen unter den Papstbildern in St. Paul vor den Mauern bedeuten. Warum wir Reliquien verehren, und warum die Krippe in St. Maria Maggiore so in Silber versteckt ist, dass man sie gar nicht mehr sehen kann. Ob beichten im Beichtstuhl nicht ein bisschen eine Fließband-Massenabfertigung ist, und ob man das machen muss. Was die Lateinischen und Griechischen Inschriften an den Wänden bedeuten.
Es entstehen richtig gute Gespräche, manchmal auch lustige, etliche tief, um die ich sehr dankbar bin. Ruhe finde ich aber trotzdem keine, denn ich habe in diesen Gesprächen immer das Gefühl, dass ich nur die Gebende bin und selber nichts empfange. Ich sage mir, dass ich in meinem Leben schon so viel empfangen habe, dass ich jetzt ruhig mal etwas weiter geben kann, ohne dabei gleich das Gefühl haben zu müssen zu kurz zu kommen.
Der Eindruck bleibt trotzdem: Rom ist anstrengend und kein Ort, an dem ich mich zu Hause fühle.

Das erste Mal, als ich etwas zur Ruhe komme, ist in den fünf Minuten, die ich über den Campo Santo Teutonico wandere, den klitzekleinen Deutschen Friedhof im Vatikan.

 
Hier herrscht endlich die Ruhe der Ewigkeit, die ich in der ewigen Stadt schon seit Tagen suche. Kurz denke ich, dass es echt ok wäre, hier beerdigt zu sein. Hier spüre ich - im Gegensatz zum Petersdom - die Nähe des Heiligen.

Leider währt der Augenblick nicht lang, denn dann ist Gottesdienst, und der ist alles andere als von Ruhe geprägt dank begleitender Blaskapelle und großem Aufmarsch einer Bürgerwache. Auch der Angelus auf dem Petersplatz ist eher anstrengend: obwohl ich eigentlich kein Italienisch kann, bin ich die einzige der Gruppe, die die Ansprache des Papstes einigermaßen simultan übersetzen kann (zum Glück hatte ich in der Schule mal Französisch und Latein!), und kriege daher für mich selber relativ wenig mit. Die Atmosphäre ist aber trotzdem schön, so in der Menschenmasse in der Sonne, um mich herum die Begeisterung für den Papst, gemeinsam beten...

Voller Eindrücke fahre ich wieder heim - die Zeit war schön, und gleichzeitig unheimlich anstrengend, das Essen lecker, aber jetzt will ich endlich mal wieder Gemüse ohne Öl, mein Bett ok, aber daheim ist eben doch daheim.

Was bin ich froh, dass mein Kloster nicht in Rom ist! Was bin ich froh, dass ich Rom mögen darf, aber nicht dort leben muss!

... und darum gehe ich in mein Kloster.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Betteln im Namen Jesu?

Heute war ich nachmittags kurz einkaufen und lief gerade entspannt durch die Stadt, als mich eine junge Frau ansprach. Gleich auf den ersten Blick dachte ich, die sieht aus wie eine, die zu diesen Bettelbanden gehört. Aber weil ich schließlich nicht selbst Opfer meiner Vorurteile sein will, habe ich mir angehört, was sie zu sagen hatte. Sie bat mich, ob wir uns zwei Minuten auf eine Bank setzen könnten, um zu reden. Sie sei völlig fertig, und suche nur einen Menschen, der ihr zuhört. Also gut, ich hatte Zeit, und was hatte ich schon zu verlieren (kurzer Griff zum Reißverschluss der Handtasche - zu, alles ok).

Ob ich an Jesus glaube, fragte sie mich. Ja, ich bin Christin. Sie zog ein Jesus-Bild (Faustina-Style) aus der Tasche, streichelte darüber, wie um mir zu beweisen, dass sie wirklich auch ganz fromm ist. Das kleine Alarmlämpchen in meinem Kopf begann zu blinken, schließlich kenne ich kaum jemanden unter den wirklich Frommen, die so schnell greifbar so ein großes Jesus-Bild in der Handtasche mit sich tragen, noch dazu ganz faltenfrei.

Und dann gingen die Geschichten los:

Sie komme aus dem Kosovo, und sei jetzt in Deutschland, habe aber keine Arbeit. Ich frage, ob sie eine Arbeitserlaubnis habe. Nein, die bekomme sie in sechs Wochen, sei aber schon einen Monat mit der Miete im Rückstand, und sie habe Kinder, 8 Monate alt, Zwillinge. Ob sie denn überhaupt eine Aufenthaltsgenehmigung habe - nein, ihr Visum sei vor drei Monaten abgelaufen, seither kann sie nicht mehr arbeiten, und jetzt ist ihr Geld alle. Nachdem die Frau beinahe fließend Deutsch spricht, frage ich sie, wie lange sie denn schon in Deutschland lebt. Seit zwei Jahren, meint sie, aber sie habe niemanden hier und sei ganz alleine. (Nunja, ich sag's nicht laut, aber so langsam ist aus dem Alarmlämpchen im Kopf ein kleine Alarmsirene geworden, denn wie kriegt man bitte Zwillinge in Deutschland, ohne dass der Staat auch nur irgendwas davon mitbekommt? Und wenn er's mitbekommt, bekäme sie entweder Kindergeld oder die Kinder wären schon längst vom Jugendamt versorgt...)
Sie gehe immer beten, dass Jesus ihr hilft, aber er hilft ihr nicht. Auf die theologische Diskussion über den Willen Gottes und den Willen der Menschen und Gottes Art, auf Gebete zu reagieren, gehe ich nur mit einem einzigen Satz ein, den die junge Frau ganz offensichtlich nicht hören will. Ich frage also, ob sie schon bei der Caritas oder Diakonie war; schließlich sind die dafür da, Menschen in Notsituationen zu helfen. Ja, sie sei schon überall gewesen, aber die würden ihr dort nicht helfen, nur Essen und Kleidung bekäme sie dort (was sie ganz offensichtlich nicht will - den Kaffee, den ich ihr anfangs mal angeboten hatte, wollte sie auch nicht haben).
Ich nehme meinen Mut zusammen und sage: "Ganz ehrlich, ich glaube Ihnen Ihre Geschichten nicht so ganz." Sie blickt mich beleidigt an und will wissen, warum. "Weil ich schon zuviele von diesen Geschichten gehört habe, und hinterher immer wieder rauskam, dass sie nicht stimmen. Und bei Ihnen kommen mir zu viele dieser tragischen Kleinigkeiten zusammen." Sie fängt wieder an zu jammern, sie habe keine Krankenversicherung, und habe sich deshalb gestern selbst einen Zahn ziehen müssen, und steckt wie zum Beweis ihren Zeigefinger in den Mund. Ich sehe nichts. Keine Zahnlücke, keine Schwellung, keinen Bluterguss, kein Zeichen von Schmerz in ihrer Mimik, nichts. Jetzt brauche ich keine Alarmsirenen mehr, jetzt bin ich mir sicher, dass sie lügt wie gedruckt. Das sage ich ihr auch - freundlich, aber klar. Sie fängt wieder von Jesus an, dass der ihr doch helfen müsse, und aber nichts tut, und dass sie nicht mehr weiterwisse, und sich vielleicht was antut. Das reicht, um mich echt zu nerven - und endlich merkt sie das, als ich ihr sage, dass ich ihr gerne was zu essen kaufe, dass ich ihr aber kein Geld geben werde (abgesehen davon, dass die Menge Geld, die sie in der von ihr beschriebenen Situation bräuchte, durch meine 'Spende' in keiner Weise gedeckt wäre und sich die Situation auch durch eine einmalige Intervention keineswegs verbessern würde - wäre das alles wahr, bräuchte die junge Frau dringend Hilfe vom Sozialamt, Jugendamt und noch ein paar anderen Organisationen). Jetzt ist sie endgültig beleidigt mit mir und lässt mich einfach stehen.

Nachdenklich gehe ich weiter.
 

In der Stadt begegne ich noch etlichen weiteren Bettlern, die ebenso wie 'meine' Frau die Menschen ansprechen. Auch ich werde noch zweimal angesprochen, lasse mich aber auf kein Gespräch mehr ein. Mir tun die Menschen Leid, und ich würde ihnen gerne helfen können, weiß aber, dass Geld da total kontraproduktiv ist: je mehr Geld sie erbetteln, umso mehr lohnt sich das Bandenbetteln für die Drahtzieher im Hintergrund, und den einzelnen Bettlern ist in keiner Weise geholfen, im Gegenteil, es werden immer mehr von ihnen. Leise bete ich für die junge Frau und die anderen aus ihrer Bettelgruppe.



Zuhause habe ich ein bisschen recherchiert - ich wusste schon, dass es diese Bettelbanden gibt, und dass die einzelnen Bettler von dem Geld, das sie erbetteln, kaum was behalten dürfen. Dass sie ganze Landstriche 'abgrasen', jeden Tag mit dem Bus in eine neue Stadt gekarrt und abends wieder abgeholt werden. Bisher war mir nur noch niemand aus diesen Gruppen begegnet, der so gut Deutsch konnte, und mit dem ich mich wirklich unterhalten konnte (nun ja, angesichts der Tatsache, dass der Beitrag meiner Dialogpartnerin aus Lügen bestand, muss ich mich vielleicht nochmal fragen, ob das wirklich eine Unterhaltung war).

Ich denke schon, dass ich im Großen und Ganzen richtig gehandelt habe, aber die Begegnung geht mir trotzdem nach.

Und ich frage mich, ob ich die Polizei hätte informieren sollen. Ist es besser für die Menschen aus diesen Bettelbanden, von ihren Drahtziehern zum Betteln in Deutschland gezwungen zu werden, so dass die Hintermänner dann einen ziemlichen Gewinn einstreichen, und weiterhin Menschen aus den entsprechenden Ländern busweise hierher bringen? Oder ist es besser, wenn die Polizei einschreitet, den Leuten Platzverweis erteilt, ihre Personalien aufnimmt etc.? Und sollte ich andere Passanten, die sich vielleicht nicht trauen, kein Geld zu geben, vor diesen Bettelattacken schützen, indem ich die Polizei informiere?

Ich weiß es nicht.

Sonntag, 22. September 2013

Ich habe gewählt

Dieses Wochenende war ich zusammen mit den anderen Kandis im Konvent (ein Konvent ist sowas wie eine kleine Schwestern-WG außerhalb des Mutterhauses). Neben einer Menge anderer Dinge hat mich beschäftigt, was es bedeutet, in einer Gemeinschaft zu leben. Die Aufhänger waren mehr als profan: als ich auf dem Klo saß, wurde mir bewusst, dass jederzeit jemand kommen könnte, der auch aufs Klo will. Nachts hörte ich, wie eine der Hausbewohnerinnen herumgeisterte. Wer zu mir wollte, klopfte einfach an die Zimmertüre. Nach dem Essen wurde gemeinsam die Küche aufgeräumt und alles für die nächste Mahlzeit vorbereitet.

Alles in allem also total normale Kleinigkeiten, und wirklich nichts Außergewöhnliches. Aber mir ist daran bewusst geworden, wie gerne ich alleine lebe. Wie gerne ich meine Türe hinter mir zu mache und genieße, nicht gestört zu werden. Wie gerne ich Krach machen kann, ohne dass sich ein Anderer daran stört. Wie gerne ich weiß, dass ich nur meinen eigenen Dreck beseitigen muss, und das wann und wie ich will.

Ganz kurz kam mir der Gedanke, ob ich das wirklich alles aufgeben will, ob ich ehrlich bereit bin, mich in meiner persönlichen Freiheit und Bequemlichkeit so einzuschränken. Und gleich darauf war mir - Gott sei Dank! - klar, dass es das wert ist. Das und noch viel mehr. Weil ich in dieser Gemeinschaft endlich zu Hause angekommen bin, weil ich dort ich selbst sein kann in einer Weise, die ich wohl in keiner anderen Lebensform erreichen könnte (leider lässt sich der Satz 'to be the best I can be' nicht so ganz ins Deutsche übersetzen), weil ich in ihr und mit ihr Gott begegene, weil ich mir mein Leben ohne mein Kloster einfach gar nicht mehr vorstellen kann.


Ich habe gewählt. Eben, weil er es wert ist.

Und damit ich das wohl nicht zu schnell vergesse, hat mich der Heilige Geist mal wieder rechts überholt (um die Ausdrucksweise meiner geistlichen Begleiterin zu verwenden), und mich in der Regel lesen lassen:
Die wirklich arm im Geiste sind, folgen dem Beispiel des Herrn und eignen sich nichts an, noch machen sie es jemandem streitig, sondern sie leben in dieser Weltzeit wie Pilger und Fremdlinge. Dies ist jene Erhabenheit der höchsten Armut, die uns zu Erben und Königen des Himmelreiches eingesetzt, an Hab und Gut arm gemacht, durch Tugenden geadelt hat.
Diese soll unser Anteil sein, der hinführt in das Land der Lebenden. Dieser ganz und gar anhangend, dürfen wir um des Namens unseres Herrn Jesu Christi willen auf immer nicht anderes unter dem Himmel zu haben trachten.

Gottes Wege sind manchmal einfach herrlich schräg. ;)

... und darum gehe ich ins Kloster.

Donnerstag, 12. September 2013

Nette Kleinigkeiten

1. Meine Jeans passen seit Sonntag wieder, und ich kann mittlerweile sogar schon Kisten vor dem Bauch tragen, ohne dass mir irgendwas weh tut.

2. Zwei von meinen drei Metallerklassen sind total nett und (zumindest bisher) unkompliziert. Die dritte der drei Klassen macht das zwar mit unerträglichem Geschwätz, nervtötenden Fragen (Dürfen Christen von der Religion her Drogen-Pilze essen?) und Schick-Schnack-Schnuck in der letzten Reihe alles wieder wett, dafür hat mich aber heute mein Chef auf die Idee gebracht, dass man bei ganz hartnäckigen Fällen als Strafarbeit Beipackzettel von Medikamenten abschreiben lassen kann (sinnlos, aber effektiv - das macht keiner freiwillig ein zweites Mal). Die Idee hat mich so amüsiert, dass der Gedanke an die Klasse nur noch halb so schlimm war.
Abgesehen davon hat sich eine der beiden guten Klassen einen Benimmkurs gewünscht. Kfz-Mechatroniker in einer reinen Jungsklasse - wer hätte das gedacht!

3. Eine Klasse hat es bereits in der ersten Doppelstunde in diesem Schuljahr geschafft, sich zwei Straf-Kuchen einzuhandeln (selber Schuld: sie wussten ganz genau, dass man keine Seitenzahlen beim Bibelfußball sagen darf, und Seiten einreißen ist auch eine nicht ganz so schlaue Idee). Den Rest der Klasse hat's diebisch gefreut, die beiden Straftäter konnten immerhin selber drüber lachen, und ich freu mich jetzt umso mehr auf nächste Woche.

4. Morgen Abend beginnt das Band-Probenwochenende, juhuu!

5. Schön, dass es meine Wärmflasche gibt! (Jetzt warte ich nur noch auf den ersten Schnee...)

6. Ich war heute Abend zum Abendessen und zur Messe im Kloster. Ich hab vorher gar nicht gemerkt, wie sehr ich das vermisst habe in den letzten Wochen!
... und darum gehe ich ins Kloster.


Freitag, 6. September 2013

Einen Schritt voraus: kleine Blogempfehlung

Eben (naja, das sind jetzt auch schon wieder gute zwei Stunden her) habe ich einen Blog entdeckt, der mir einen Schritt voraus ist - und das schon seit einiger Zeit. Ich finde diesen Blog so toll, dass ich ihn einfach am Stück durchgelesen habe. Tiefgründig, ehrlich, manchmal komisch und echt zum Lachen, nachdenklich, spirituell und eigentlich gar nicht in Worte zu fassen schreibt da eine junge Frau über ihren Weg durchs Noviziat. Und ich fühle mich bei vielem, was da steht, ertappt, verstanden und gemeint. Auch, wenn ich die Schwester, die da schreibt, gar nicht kenne, fühle ich mich ihr eigenartig verbunden. Nicht nur, weil sie über den Weg schreibt, den ich gehen will und auf dem ich ja irgendwie auch schon eine Weile unterwegs bin, sondern auch, weil sie in vielem wohl ganz ähnlich tickt wie ich.


Mittlerweile hat sie schon längst Profess abgelegt und schreibt obigen Blog nicht mehr weiter, hat aber dafür einen neuen Blog begonnen, in dem sie weiter aus ihrem Leben schreibt.

Alles in allem: lohnt sich echt zu lesen!

Donnerstag, 5. September 2013

Renovation soweit abgeschlossen...

Eben war ich nochmal beim Arzt. Die Fäden sind schon seit Dienstag draußen, seither verheilen die Narben auch deutlich besser (und es juckt auch weniger, hurra), und alles scheint soweit in Ordnung.

Außerdem kam inzwischen die Histologie - der Tumor war wirklich gutartig. :)

Wer die grusligen Details wissen möchte, darf sich gerne noch den histologischen Bericht durchlesen. (Wer einen schwachen Magen hat, möge sich das nochmal gut überlegen!)

Und ganz nebenbei hat sich meine Ärztin ordentlich über meine Blutwerte gefreut: meine Leber sei 'als hätte sie nie Alkohol gesehen', Blutzucker und Cholesterin sind ideal, die Nieren funktionieren perfekt, meine Eisenwerte sind gut und auch ansonsten ist alles absolut im grünen Bereich. War total nett, wie sie sich darüber freuen konnte. :)

Viele Gründe also, um wirklich dankbar zu sein!

... und so freue ich mich ganz frisch renoviert aufs Kloster.

Warnung: gruslige Details

Histologie meines Dermoids:

Klinische Angaben:
Adnextumor rechts.

Makroskopie:
3 bis 4 cm große, unregelmäßig fetzig strukturierte Gewebsstücke sowie beiliegend talgartiges Material und Haare (I-II).

Diagnose und Begutachtung:
Wandanteile einer Dermoidzyste des Ovar, wobei man an der Oberfläche ein mehrschichtiges, epidermisartiges Plattenepithel findet und subepithelial neben Bindegewebe auch Fettgewebsinseln sowie zahlreiche, typische Hautanhangsgebilde, z.T. auch Lymphfollikel bzw. Lymphozytenaggregate. Man findet in der Wand z.T. auch Drüsenstrukturen mit einem respiratorischen Epithel.

Keine Malignität.

Nebenbei bemerkt: Keine Ahnung, warum Menschen nach einem Medizinstudium Pathologe werden. Wenn ich mir so vorstelle, dass da jemand die Überreste meines Tumors unter dem Mikroskop auseinandernimmt, und das vermutlich noch zu den appetitlicheren Momenten seiner Arbeit gehört, frage ich mich schon, was er abends beim Essen zu seiner Frau sagt, wenn sie ihn fragt, wie sein Tag war. "Schatz, heute habe ich Reste von Menschenfleisch seziert und untersucht, einen Bericht darüber geschrieben und nebenher Kaffee getrunken." Nunja, ich hoffe, seine Frau hat einen starken Magen.

Freitag, 30. August 2013

Fehlalarm und alles gut soweit

Heute früh kam der Anruf von meinem Hausarzt: meine Blutwerte sind normal, ich habe KEINE Gicht. Hurra! :)

Was die Schmerzen im Knöchel waren, kann er mir jetzt zwar auch nicht sagen (sie sind wieder weg, seit ich im Krankenhaus nur rumgelegen bin, daher kann er's jetzt auch nicht mehr überprüfen). Er meint zwar, dass es einfach nur ne Entzündung in Folge von Überlastung sein könnte, was ich mir aber wiederum nicht vorstellen kann, weil ich in den Tagen davor nichts Außergewöhnliches unternommen hab. Ah well. Auf jeden Fall muss ich mir erst mal keine Gedanken mehr machen, ob sich meine Pest- und meine Choleradiät widersprechen könnten, denn schließlich habe ich ja gar keine Cholera. ;)

Ansonsten geht's mir super gut, schon im Krankenhaus war ich ja überraschend fit, und das hat sich bisher genauso weiterentwickelt. Seit Dienstag ist die Drainage raus, ich konnte direkt danach sogar schon wieder auf dem Bauch schlafen (und daher tief und fest und durch), und seit Mittwoch bin ich wieder daheim und komplett ohne Schmerzmittel unterwegs. Meine allerliebste Pflegerin hat daher nichts mehr zu pflegen und übt sich gezwungenermaßen vermehrt im Bespaßen und Ertragen. Das Einzige, was mich noch der Öffentlichkeit etwas fern hält, ist die Tatsache, dass die Fäden noch drin sind, und die Narbe am Bauchnabel sich daher nicht gut mit Jeans kombinieren lässt - ich laufe also in Schlabberhosen durch die Gegend, die ich unter normalen Umständen nur als Schlafanzughosen in Erwägung ziehen würde, und hoffe, dass mich niemand sieht, der mich kennt (*schäm*).

Anyway, sind also momentan nur gute Nachrichten, was doch auch mal eine richtig schöne Abwechslung ist!

Montag, 26. August 2013

Back in the Real World

Seit etwa einer halben Stunde bin ich aus der Narkose wieder da. Hab soweit alles gut überstanden (zumindest ist das mal mein subjektiver Eindruck) und bin erstaunlich fit. Ich liege hier gemütlich in meinem Zimmer mit 80er-Jahre-Krankenhausdekor, trinke Schwarztee mit Milch und warte auf zwei Dinge : den Arzt, der mir sagt, wie die Operation aus medizinischer und weniger subjektiver Sicht gelaufen ist, und aufs Abendessen. ;-)

Danke euch allen schon mal für die Gebete - noch ist sicher nicht alles überstanden, aber das Kritischste bestimmt! Es ist unglaublich schön zu wissen, dass ich solche Freunde habe.

Ach ja, Freitagabend habe ich noch eine wunderbar passende Stelle in der Ordensregel gefunden:
'Selig sind, die den anderen, wenn er krank ist, ebenso lieben - was jener ihnen nicht entgelten kann -, wie wenn er gesund ist und er ihnen entgelten kann. Und für alles, was ihnen widerfährt, sollen sie dem Schöpfer Dank sagen, und sie mögen so zu sein verlangen, wie der Herr sie will, gesund oder krank.'

... und darum gehe ich ins Kloster. :)

Freitag, 23. August 2013

:-(

Es ist soweit.
Und es führt kein Weg daran vorbei.

Am Montag werde ich operiert.














Besuch ist natürlich herzlich willkommen.

Beten und Kerzen anzünden auch.

Falls es Freiwillige geben sollte, die bereit wären, ab Mittwoch oder Donnerstag ein paar Tage zu kommen und mich daheim zu pflegen/bespaßen/ertragen, würde ich mich freuen - meine Mutter kommt von Montag bis Mittwoch, aber es wäre glaub ich sinnvoll, für ein paar Tage hinterher noch jemanden zu haben, der einfach da ist.

Donnerstag, 22. August 2013

Pipi im Blut

Hiermit ist es offiziell: ich bin alt und renovierungsbedürftig.

Irgendwie mutiert dieser Blog in den letzten Wochen und Monaten immer mehr von einem Kloster-Blog zu einem Krankheits-Blog.
Und heute macht die Sache auch nicht besser:

Ich komme eben vom Arzt, weil mir seit zwei Tagen mein Knöchel höllisch weh tut. Laufen geht zwar noch einigermaßen, aber bloß nicht falsch auftreten, schief laufen, irgendwas mehr als nötig bewegen, sonst könnt ich schreien.

Und ich dachte schon an spektakulär schicke Dinge wie verstaucht, was angebrochen, Knochenkrebs (nicht ernsthaft, aber ich hab da grad erst ein echt gutes Buch gelesen, wo einem dann solche Gedanken schon mal kommen), Krücken, quietschbunte Schienen... Irgendwas, wofür man Mitleid, nette Besuche, Schokolade und sowas verdient.

Tja. Back in the real world spricht mein Arzt von was viel Unspektakulärerem.

Gicht.
 

Ich habe Gicht.

Zumindest mal aller Voraussicht nach - endgültig weiß ich's erst am Montag, wenn die Blutwerte da sind.

Aaaaaaaaaaah. Wie peinlich.  *runs and hides*


Das kann man doch nicht sagen, wenn einen jemand fragt, warum man mit schmerzverzerrtem Gesicht durch die Gegend humpelt. Ich habe Gicht. Hallo!!? Ich bin 30!! Gibt's dafür nicht irgendeinen weniger offensichtlich altersbehafteten lateinischen Namen?
Goggle sagt, klar gibt's den (allerdings nicht aus dem Lateinischen, sondern Griechischen, aber hey, was soll's), das heißt dann 'Hyperurikämie', und klingt leider nur auf den ersten Blick schicker als 'Gicht', denn übersetzt heißt das soviel wie 'zu viel Pipi im Blut'. Na toll.

Scheint im Übrigen eine Familienkrankheit zu sein, wenn man das schon so jung bekommt. Vielen Dank auch, Mama, Opa und ihr anderen Vorfahren, die unbekannterweise daran beteiligt waren.

Was das zuviele Pipi im Blut angeht, das man natürlich vermeiden soll: das lässt sich durch die Ernährung ganz gut beeinflussen. Als ich gelesen habe, was man alles nicht essen soll, musste ich laut lachen. Hülsenfrüchte, also Bohnen, Erbsen und dergleichen, Spinat, und vor allem Fleisch. Hurra, das sind genau die Dinge, von denen mein Arzt vor nem halben Jahr noch meinte, ich solle sie vermehrt essen, weil sie besonders viel Eisen enthalten, und ich doch ständig kurz vorm Eisenmangel bin. Oh, und viele Milchprodukte sind gut bei Gicht. Dumm nur, dass sie die Eisenaufnahme des Körpers aktiv behindern. Ganz prima, es scheint also, ich hätte die Wahl zwischen Pest und Cholera bzw. zwischen Gicht und Eisenmangel. Vielleicht sollte ich einfach wochenweise meine Ernährung abwechseln zwischen 'gut für Gicht' und 'gut für Eisen'. Wahrscheinlich entscheidet sich dann mein Körper, dass Pest und Cholera beide doof sind, und kriegt statt dessen Lepra.


Jedenfalls soll ich jetzt meinen Knöchel erst mal möglichst wenig belasten, bis die akute Entzündung wieder weg ist.

... und eigentlich wollte ich doch heute Abend zum Gottesdienst ins Kloster!

Montag, 5. August 2013

Sauberkeit

Am Donnerstag wollte ich backen und habe mir deshalb ein altes T-Shirt angezogen und die Haare hoch gebunden. Abends war ich wie erwartet dreckig und verschwitzt.

Am Freitag habe ich mir also ein frisches T-Shirt angezogen. Gegen Mittag kamen Gäste und ich habe mich umgezogen, weil ich ein schöneres T-Shirt anhaben wollte.

Am Samstag habe ich mir wieder ein frisches T-Shirt angezogen; schließlich war der Freitag heiß gewesen. Abends habe ich mich umgezogen, um für die Kirche ordentlich zu sein.

Ab Sonntag war ich mit Kindern unterwegs und die Klamotten endgültig im Eimer. Kaum hat man mal ein Kind auf dem Arm, muss man sich eigentlich schon umziehen. Entweder es beschmiert einen mit Brei, spuckt und sabbert einen an, oder es streift einfach nur die Hände an einem ab. Egal, was es tut oder nicht tut - hinterher ist man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit dreckig. Ob man sich gut um die Kinder gekümmert hat, erkennt man daran, wie früh am Tag man wie dreckig ist. Je früher und je mehr, desto besser. Daher habe ich es seit gestern aufgegeben, sauber sein zu wollen.

Allerdings muss ich zugeben, dass mich das stresst. Ich wäre schon ganz gerne sauber, aber bei der Alternative sauber zu bleiben, weil man das Kind einfach brüllend am Boden lässt, gewinnt halt jedesmal das Kind.

Meine Jeans können vor lauter Brei-, Reis-, Nudel- und Dreckspuren schon besser stehen als die Babys, und von meinen T-Shirts will ich mal lieber gar nicht anfangen.

... und darum gehe ich ins Kloster. ;)

Donnerstag, 25. Juli 2013

Das Pinguin-Prinzip

Ein langes Telefonat mit einer Freundin später, die auch schon mal so 'n blödes Ding am Eierstock hatte, und ein paar Minuten auf Facebook, und die Welt ist erst mal in Ordnung. Wenn man über seine Ängste lachen kann, sind sie irgendwie gar nicht mehr so furchteinflößend. (Blödes Klischee, stimmt aber zumindest heute mal.)

Manchmal muss man sich eben bewusst machen, dass Ängste auch bloß die Folge eines Pinguins in der Großstadt sind, oder zumindest was mit ihm zu tun haben.





... und darum werde ich ein Pinguin. ;)


Mittwoch, 24. Juli 2013

Kleines Update

Heute habe ich meine Ärztin angerufen.

Sie ist immer noch sehr für eine OP, sieht aber ein, dass es vielleicht gut ist (zumindest für meine Psyche), wenn ich noch eine zweite Meinung einhole. Ich hab also gleich noch im Krankenhaus angerufen, wo ich mich ja eh vorstellen soll, und die haben gesagt, dass das kein Problem ist, und dass man die OP auch kurzfristig absagen oder verlegen kann. *uff*

Mal sehen, was daraus wird.

Jedenfalls geht's mir viel besser, nachdem ich mich entschieden habe, nicht einfach nur das Opfer der Pläne meiner Ärztin zu sein, sondern selbst zu entscheiden, ob, wenn, wie, wo und wann ich mich operieren lasse. Ich schätze mal, das macht meiner Ärztin und dem Krankenhaus deutlich mehr Arbeit, als wenn ich einfach brav täte, was sie sagen, aber da müssen die jetzt halt durch.
Abgesehen davon habe ich nach ausgiebiger Lektüre der verschiedensten Internetpublikationen herausgefunden, dass so eine Dermoidzyste nicht übermäßig akut gefährlich ist, und wenn, dann hat man solche Schmerzen, dass man von ganz alleine ins Krankenhaus düst (ist also nichts, was man aus Versehen verschleppen kann). Auch das macht mich etwas entspannter, und nimmt mir den Druck, jetzt sofort was tun zu müssen, was ich nicht will.

Tja, soviel für heute - es geht also zumindest psychisch wieder etwas bergauf.


(Ach ja, eine gute Freundin hat mich an Maria Knotenlöserin erinnert - das ist sicherlich auch keine schlechte Idee.)

Samstag, 20. Juli 2013

Angst

Ich glaub, ich pack das nicht.
Sobald ich mich nicht komplett ablenke, dreht mein Hirn hohl, und ich geh schier ein vor Angst. Soviel Ablenkung, wie ich grad bräuchte, geht gar nicht, vor allem deshalb nicht, weil ich dabei mein Hirn einfach ausschalten können müsste. Und sobald ich versuche, auf die nächste Ebene zu gelangen und mich selbst zu reflektieren, meldet sich diese unglaublich vernünftige Stimme, die sagt: "Entweder du bist total irrational in deiner Angst oder sie ist irgendwie begründet." Dass ich total irrational bin, halte ich zwar nicht für unmöglich, aber für ziemlich unwahrscheinlich. Angst ist selten komplett grundlos. Außerdem bin ich sonst nicht gerade bekannt dafür, irrational zu sein. Im Gegenteil.

Aber mal angenommen, ich wäre irrational. Dann müsste doch das Argument, das ich sonst so gerne verwende, gelten: Du hast nichts zu verlieren, schlimmer als es ist, kann es nicht werden. Leider ist genau dieses Argument der Beweis dafür, dass meine Angst nicht völlig irrational ist. Es kann nämlich schlimmer werden. Ich habe es mir nicht verkneifen können, weiter zu googeln, bis dahin, dass ich mir vorhin eine ganze Doktorarbeit zu dem Thema durchgelesen habe. Da findet man eine Menge über Operationsmethoden, ihre Risiken, Komplikationen, Nebenwirkungen und Konsequenzen. Und die sind alle schlimmer als es jetzt ist. Ich habe nämlich keinerlei erkennbare Symptome, keine Schmerzen, nichts. Es wird also auf jeden Fall schlimmer, egal ob alles gut geht oder nicht.
Also nehme ich mal an, meine Angst ist begründet.

Allerdings bin ich mir gar nicht so sicher, wovor ich genau solche Angst habe. Ich habe beim Googeln festgestellt, dass mir eine neue Operationsmethode weit weniger Angst macht, als die, die für mich geplant ist. Nicht, dass sie mir keine Angst machen würde... aber zumindest ein bisschen weniger. Was wohl auch daran liegt, dass sie im Nachhinein weit weniger Schmerzen verursachen soll. Ich habe also definitiv Angst vor Schmerzen (nichts Neues, schließlich hasse ich meinen Zahnarzt für das, was er mir antut). Aber da ist noch mehr. Ich habe auch gemerkt, dass ich beim Lesen die Abschnitte, die über bösartige Tumore gehen, nicht so ausführlich lese wie den Rest. Da ist also scheinbar auch Angst vor dem Sterben dabei.
Ich dachte immer, ich hätte keine Angst vor dem Tod. Ich glaube, das stimmt auch. Aber ich habe ganz offensichtlich Angst vor dem Sterben, d.h. vor dem Weg, der mit dem Tod endet, bzw. vor dem, was dieser Weg mit sich bringen könnte.
Und wovor ich auch noch Angst habe ist das Ausgeliefertsein. Ich kann plötzlich nicht mehr mitreden. Ich weiß zu wenig, und ich bin nicht objektiv in meiner Meinung (wie auch). Ich muss mir von Ärzten sagen lassen, was gut für mich ist, auch, wenn alles in mir laut Nein schreit. Und dann soll ich mich auch noch ganz körperlich ausliefern und mich bewusstlos anderen zum rumschnipseln anbieten. Vielen Dank auch.

Ich glaube, ich werde meine Ärztin anrufen, und ihr sagen, dass ich nicht will. Dass ich mindestens noch eine zweite Meinung brauche, und dass ich wissen will, welche Kliniken in der näheren oder weiteren Umgebung welche Operationsmethoden anwenden. Ich will, dass sie weiß, mit welchen Ängsten ich mich rumschlage. Und ich will wissen, was genau passieren würde, wenn ich mich nicht operieren ließe (dazu sagt das Internet nämlich leider gar nichts - es wird immer nur die übliche Behandlungsmethode angegeben, aber keine übermäßig detaillierte Beschreibung dessen, was passiert, wenn man dieser üblichen Behandlungsmethode nicht folgt).

Oh shit, ich glaube, ich entwickle mich gerade zum nervlichen Wrack.

Drüber reden ist leider auch keine wirkliche Lösung, denn was soll ich schon sagen außer: "Ich habe Angst." Bloggen hilft immerhin ein bisschen, weil ich mich dabei innerlich sortieren kann, auch, wenn das nicht lange anhält.
Und ja, beten hilft natürlich auch. Es ändert nichts daran, dass ich halb wahnsinnig werde vor Angst. Aber es erinnert mich immerhin daran, dass ich nicht alleine darin bin.

Donnerstag, 18. Juli 2013

Die Mutter aller Tage

Viel gemischter können Gefühle wohl kaum werden.

Ich war heute früh beim Frauenarzt wegen Verdacht auf eine Zyste. Zysten sind an sich nicht tragisch, also bin ich recht entspannt hin. Leider bin ich nicht halb so entspannt wieder heim - es gibt keinen Verdacht mehr auf eine normale Zyste, sondern die sehr hohe Wahrscheinlichkeit auf eine Dermoidzyste. Diese Dinger bilden sich nicht zurück und sind leider nicht ganz ungefährlich, so dass man das operieren muss.

Scheiße. Davor hab ich echt Angst. Und die Details machen mir noch viel mehr Angst. Ich weiß, ich bin ein Schmerzschisser, aber leider ändert dieses Wissen nichts an der Tatsache. Und Schmerzen scheinen bei der Sache vorprogrammiert. *Panik* Ich will nicht ich will nicht ich will nicht.

Ich meine, ich lebe hier alleine, muss mir also irgendwen suchen, der mich ins Krankenhaus fährt und ein paar Tage später wieder abholt, und am besten jemanden, der mich dort besucht, und bei dem ich rumheulen kann. *doom*

Und hab ich schon erwähnt, dass ich Angst hab? Ich will keine Narkose, ich will nicht aufgeschnitten werden, ich will keine Schmerzen, ich will kein Risiko, und ich will keine Details wissen (dafür ist es jetzt leider schon zu spät - ich hab's gegoogelt).
Das einzig halbwegs Positive an der Sache ist, dass Dermoidzysten zu 98% gutartig sind. Ach ja, sie heißen zwar Zysten, sind aber eigentlich Tumore. Vielen Dank auch. Und sie sind mir immer noch 2% zu bösartig. *Fluchtgedanken*


 Meine Ärztin wollte mich so schnell wie möglich ins Krankenhaus schicken. Zum Glück hab ich nochmal nachgefragt, warum so schnell, und ob das wirklich soooo dringend ist. Es hat sich dann herausgestellt, dass ich schon noch ein paar Wochen warten kann - also erst mal arbeiten, Geburtstag feiern, Urlaub. Und dann. Ich will gar nicht drüber nachdenken. Aber ich sollte bis dahin nicht Trampolin springen, nicht tanzen, nicht hüpfen und ruckartige Bewegungen vermeiden. Na gut, das sollte machbar sein.

Oh, und es könnte sein, dass der betroffene Eierstock dabei drauf geht. Shit. (Hm, komisch, dass mich das so beschäftigt. Ich entscheide mich, zölibatär zu leben, aber sobald es darum geht, eventuell keine Kinder kriegen zu können, wird es problematisch. Liegt wohl daran, dass das was mit meinem Frausein zu tun hat, und auch damit, dass mir da möglicherweise die Grundlage für eine freie Entscheidung genommen wird, und ich mich dann irgendwie gar nicht mehr entscheiden kann. Ich glaube, in diesem Bereich gibt es genügend Abgründe in meiner Seele, dass ich da vielleicht mal nen extra Post drüber schreibe...)

Zuhause wollte ich eigentlich gleich ins Büro, aber dafür war ich leider viel zu sehr durch den Wind. Ich hab mich also erst mal ans Klavier gesetzt und gespielt, um runter zu kommen, meine Gedanken zu sortieren, und ein bisschen zu beten.

Später bin ich dann doch noch ins Büro, wo ich nicht wirklich was zustande gebracht habe. Angst und leichte Panik sind einfach keine sehr hilfreichen Begleiter. Zum Glück musste ich nachmittags in die Schule, wo mich meine Schüler und vor allem meine Kollegen wunderbar abgelenkt und zum Lachen gebracht haben.

Abends war ich dann auf die Nachprimiz eines Freundes eingeladen. Auf dem Weg dahin waren die Angst und die Panik wieder sehr präsent - so sehr, dass ich beinahe einen Unfall gebaut hätte...
Mich hat die Kapelle, in der der Gottesdienst war, sehr angesprochen. Dort war vorne über dem Altar ein großes Kreuz an der Wand, unter dem eine leidende Maria stand mit einem Schwert durch die Brust. Da ist mir endlich wieder bewusst geworden, dass ich das nicht alleine durchmachen muss, dass es andere gibt, die mein Gebet brauchen, und dass Er und seine Mutter da sind und meine Angst kennen. Die Messe war wie eine langsame Erlösung: erst die Lesung, Mose vor dem brennenden Dornbusch. Gott ist der Ich-bin-da, das ist sowas von beruhigend. Auch, wenn er mein Ägypten erst mit Plagen schlagen muss, habe ich doch große Hoffnung, dass er auch das Schlimme zum Besten verwenden wird, und mich auf seine Weise ins gelobte Land führt. Dann das Evangelium, nehmt mein Joch auf euch, meine Last ist leicht, ich werde euch Ruhe verschaffen. Schon wieder so ein Versprechen, dass ich wirklich beim Wort nehmen will. Ich will und muss mich Ihm ganz überlassen, ganz loslassen. In dem Moment, wo ich das gedacht habe, ist so eine Last von mir abgefallen, dass ich's kaum fassen konnte. Und dann in der Predigt ging es nicht nur darum, ganz Ja zu sagen, sondern auch darum, dass wir als Christen die Aufgabe haben, Freude zu bringen, und nicht traurig und mürrisch durchs Leben gehen sollen. Tja, im ersten Moment dachte ich, der hat leicht reden, mir ist heute überhaupt nicht nach Freude zumute, aber dann wurde mir klar, dass es da um eine andere Freude geht. Keine oberflächliche Hampelei, sondern echte Freude, die aus dem Vertrauen entsteht, dass Er am Ende immer alles zum Guten wenden wird.


Ich sage mir mal wieder vor: Loslassen, loslassen. Das scheint gerade echt ein Thema zu sein. Meine Angst, meine Sorge loslassen, sehen und annehmen, was Er mir schenkt, und weitergehen in dem Vertrauen, dass Er mitgeht.

Ach ja: zum Schluss habe ich noch den schönsten und persönlichsten aller Primizsegen bekommen. :)
Beim anschließenden Zusammenstehen vor der Kapelle war dann irgendwann wirklich alles gut und sehr sehr schön - das Wetter, die Gespräche, einfach alles.

Jetzt geht es mir gut, ich bin auf eine eigenartige Weise glücklich, die viel tiefer geht als die Angst (die schon auch noch da ist, die mich aber zumindest momentan nicht mehr bestimmt). Es geht immer weiter, und immer mit Ihm, was brauche ich mehr.

Montag, 15. Juli 2013

Wie alles begann... oder: und darum gehe ich ins Kloster

Keine Ahnung, wann alles angefangen hat.

Klar, es gibt Punkte, an die ich mich gut erinnern kann, aber ich glaube nicht, dass die einfach aus dem Nichts kamen.

Aber bei einem bin ich mir sicher: es hat sehr früh angefangen.

Als ich 13 Jahre alt war, fand das Jugendtreffen der Brüder von Taizé in der Nähe statt. Irgendwie bin ich mit in die Vorbereitungsgruppe meiner Pfarrei reingerutscht, obwohl ich eigentlich noch viel zu jung war und überhaupt nicht wusste, was, wer oder wo Taizé war. Tja, aber die kleinen, improvisierten (und im Rückblick total unmusikalischen und chaotischen) Gebete unserer Vorbereitungsgruppe im Stil von Taizé (oder eben dem, was wir für den Stil von Taizé hielten) haben mich auf eine seltsame Art fasziniert. Diese seltsame Faszination war groß genug, dass ich mir mit meinen 13 Jahren ein Teilnehmerticket für das Jugendtreffen besorgen ließ (quasi illegal, schließlich war ich noch zu jung) und jeden Tag mit der S-Bahn in die Stadt fuhr, mich alleine unter Tausende junger Menschen mischte, von denen die wenigsten Deutsch konnten. Irgendwie fand ich immer Anschluss und konnte mich verständigen - beides ist im Nachhinein ziemlich erstaunlich, war ich doch mehr als zurückhaltend und meine Fremdsprachenkenntnisse noch sehr rudimentär. In einem Abendgebet hatte ich meine erste bewusste... ja, was eigentlich? Heute würde ich so etwas eine Gotteserfahrung nennen. Damals kannte ich diesen Begriff noch nicht und hätte ihn sicherlich auch für viel zu abgehoben gehalten. In der langen Stille im Gebet hatte ich plötzlich das Gefühl, innerlich zu fallen, zusammen mit der Sicherheit, dass es gut so ist, und dass mir nichts passieren kann und gleichzeitig gerade alles passiert. So eine Mischung aus Euphorie und totaler Ruhe und Frieden. Glück. Und mir war sofort klar, dass das Gott ist, dass das nicht aus mir selber kommt, und dass das auch keine Einbildung ist.


Naja, Taizé hatte es mir seither angetan. Ein paar Monate später bin ich zum ersten Mal hingefahren (mit gefälschtem Geburtsjahr auf der Anmeldung...), und seither immer wieder. Mittlerweile merke ich, dass ich aus Taizé 'herausgewachsen' bin, fahre aber immer noch gerne hin, wenn ich Jugendliche mitnehmen kann. Bei diesen Jugendlichen sehe ich immer wieder fasziniert zu, wie es ihnen geht wie mir damals, wie sie etwas entdecken, das sie nicht mehr los lässt, wie sie plötzlich ankommen.

Mit 15 Jahren war ich dann zum ersten Mal in 'meinem' Kloster. Es war bei einem großen Jugendfest, zu dem mich unser damaliger Gemeindereferent mitgenommen hatte. Wieder einmal war ich alleine unterwegs unter vielen Jugendlichen. Das Gefühl war aber dieses Mal ein ganz anderes. Ich konnte nicht mehr aufhören, die Schwestern anzuschauen. Ich war total gefesselt von diesen Frauen, von dem, was sie ausstrahlten, von dem, wie sie aussahen, von ihrer Art, miteinander und mit Anderen umzugehen. Auf dem Heimweg ging mir der Gedanke nicht mehr aus dem Kopf, 'so will ich auch sein'.

Seither hat mich der Gedanke nie mehr ganz losgelassen. Kloster, das ist doch total bescheuert und alles andere als normal. Aber es zieht mich einfach hin.
Ich war in meiner Schulzeit dann fast in jeden Ferien im Kloster.



Anfang des Studiums habe ich bei sogenannten Schulmissionen mitgearbeitet. Schulmissionen, das heißt, dass sich ein Team von Ordensleuten und anderen jungen Menschen auf den Weg in eine Schule macht, um mit dieser Schule eine Woche oder zumindest ein paar Tage zu leben und gemeinsam im Glauben zu gestalten.
Bei einer dieser Schulmissionen waren zwei junge Franziskaner aus Österreich dabei, von denen mir einer zum Abschied sagte: "Weißt du, immer wenn ich dich diese Woche gesehen habe, musste ich an den reichen Jüngling denken, zu dem Jeusus sagt: 'Eines aber fehlt dir noch zum Heil.'"
Mit diesem Satz ließ er mich stehen.

Als ordentliche Theologiestudentin wusste ich natürlich, wie die Geschichte weitergeht. Jesus sagt zu dem Jüngling weiter: "Geh hin, verkauf alles was du hast und gib das Geld den Armen. Dann komm und folge mir nach."

Tja.
Da stand ich also.
Mit 21 Jahren und gerade im Studium angekommen.
Und dann sowas.

Klar hab ich das erst mal ignoriert. Ich meine, was soll denn das. Und was wollte mir der Franziskaner damit überhaupt sagen. Und sowieso. Erst mal das Studium fertig machen.
Aber ja klar, sowas vergisst man nicht einfach. Das verfolgt einen richtiggehend. Und deshalb bin ich innerlich erst mal weggelaufen. Kloster war weit weg, oder zumindest hatte es mal nichts mit meinem momentanen Leben zu tun. Darüber mache ich mir Gedanken, wenn die Zeit reif ist (falls überhaupt).


Nach dem Studium bin ich erst mal wieder nach England, wo ich am liebsten geblieben wäre. Leider kamen die Wirtschaftskrise und ein paar andere Kleinigkeiten zusammen, so dass unser Büro in Leeds schließen musste und ich arbeitslos war. Zum Glück hatte ich schon die Zusage, in Deutschland als Pastoralassistentin anfangen zu können (was ich absolut nicht wollte). Mangels Alternativen bin ich also wieder zurück gekommen und habe diesen Job angefangen, der so gar nicht meiner war (ein paar kleinere 'rants', die einen Eindruck von meiner Unzufriedenheit geben, findet man auf meinem alten Blog).

Zum Glück habe ich mich nach den drei Jahren Assistenzzeit so langsam an den Job gewöhnt... Zumindest mal gut genug, dass ich ihn mittlerweile wirklich gerne mache und hier gar nicht mehr weg will (nur fürs Noviziat natürlich). ;)

Aber ich vergesse da was Wichtiges. Als die Assistenzzeit ihrem Ende zuging, war Stellensuche angesagt. Die Auswahl war groß, die Stellenbeschreibungen meistens ziemlich diffus. Also habe ich mich auf die Suche gemacht, und mir gleich mal etwa 10 Stellen in der ganzen Diözese ausgesucht, die ich anschauen wollte. Zwei davon lagen ziemlich weit im Süden, jeweils über zwei Stunden Fahrtzeit für eine Strecke, und ich hatte mit den dortigen Teams Termine an zwei aufeinanderfolgenden Tagen vereinbart.
Weil ich nicht zweimal die komplette Strecke rauf und runter fahren wollte, dachte ich mir, ich übernachte irgendwo in der Gegend, und was liegt da näher (im wahrsten Sinne des Wortes) als mein Kloster.
Nachdem ich die erste Stelle besichtigt hatte, wusste ich schon sicher, dass ich mich auf sie bewerben würde - so gut war das Treffen mit dem Team verlaufen. Also fuhr ich etwas überdreht, aber sehr erleichtert weiter ins Kloster. Im Jahr davor hatte ich dort schon Exerzitien gemacht, in denen ich mich immer wieder gefragt hatte, ob das überhaupt der richtige Job für mich ist und ob ich nicht was völlig anderes machen sollte. Die Schwester, die mich damals begleitet hatte, hatte mich gefragt, ob ich mir sicher sei, ob meine Unzufriedenheit wirklich an meinem Job liegt, und nicht vielleicht eher daran, dass ich für mich noch die Frage der Lebensform klären muss. Genau diese Schwester empfing mich an dem Nachmittag nach meiner Stellenbesichtigung. Aus irgendeiner Laune heraus sagte ich ihr, dass ich glaube, dass sie im Jahr davor Recht hatte, und dass es vielleicht schon um das Thema Lebensform ginge.



 
     +++ Kleiner Exkurs: Wenige Wochen vorher war eine Freundin von mir an Krebs gestorben, die ich seit ihrer Diagnose ein Jahr vorher viel besucht und irgendwie auch begleitet hatte. Diese Freundin kannte ich ursprünglich aus dem Kloster, wo sie Novizin gewesen war, als ich sie kennenlernte. Jahre später fand ich sie über meine Arbeit wieder, als sie schon lange ausgetreten war (keine schöne Geschichte). In dem Jahr bis zu ihrem Tod haben wir viel über ihre Zeit im Kloster geredet, über den Tod, über Versöhnung, über das Sterben an sich und darüber, wofür es sich lohnt zu leben. Nach ihrem Tod hatte ich plötzlich das Gefühl, dass die Zeit reif war. Ich wusste nicht genau, wofür, aber ich hatte so ein Gefühl, dass sich irgendetwas grundlegend verändern müsste, und es einen Schritt weiter gehen müsste. Aber ich wusste eben nicht, worauf sich dieses Gefühl bezog, und was für ein Schritt das sein sollte. +++


Ich verbrachte also die Nacht im Kloster, und bot am nächsten Morgen meine Mithilfe an, nachdem mein nächster Termin erst am Nachmittag sein würde. Meine Aufgabe für den Vormittag war dann, Kärtchen mit Bibelworten zu schneiden (es gibt in der Kapelle eine kleine Holzkiste, aus der sich jeder, der möchte, ein Wort mitnehmen kann). Die Bibelworte selbst waren schon vorgedruckt, und ich sollte sie nun mit Hilfe von Lineal, Brettchen und Messer ordentlich auseinander schneiden. Ich saß also alleine am Tisch, vor mir zwei dicke Stapel Papier, und arbeitete mich langsam durch die Worte. Nebenher las ich natürlich, was ich da schnitt. Das oberste Blatt auf dem zweiten Stapel lag verkehrtherum, und eines der Worte fiel mir ins Auge. Ich konnte es nicht sofort lesen (die Schrift war ja auf dem Kopf und ich schnitt nebenher ja noch Papier). Aber es ließ mich nicht mehr los, bis ich es gelesen hatte - und dann erst recht nicht mehr.
Darauf stand: "Jesus Christus spricht: Habt Vertrauen. Ich bin es. Fürchtet euch nicht."

Und plötzlich war mir klar: ich habe mich schon längst entschieden. Und ich brauche keine Angst mehr vor dem Schritt dorthin zu haben. Denn was kann schon passieren, wenn Er es ist, der dort auf mich wartet?!

Ein Gespräch später fuhr ich grinsend und glücklich weiter.



Tja... the rest is history as they say... mittlerweile bin ich Kandidatin (heute vor einem Jahr war meine offizielle Aufnahme in die Gemeinschaft) und hoffe, bald ins Noviziat zu dürfen.



Ach ja: und darum gehe ich ins Kloster. :)


Freitag, 12. Juli 2013

Und warum eigentlich nicht?

Goodness me, bin ich platt. Nicht etwa, weil viel los war (heute war echt ok), sondern eher, weil der Abend so schön war.

Letzten Samstag war Priesterweihe (wo ich nicht war, weil ich stattdessen auf Kandiwochenende mit Erstprofess war) von 10 mehr oder weniger jungen Männern. Mit den meisten von ihnen habe ich zumindest teilweise zusammen studiert oder kenne sie aus sonst einem Kontext. Und heute Abend waren zwei von ihnen in der Messe und haben anschließend noch den Primizsegen gespendet. Ich hab kurzfristig in der Band den Job des Eierrasslers übernommen und daher eine super Sicht auf die beiden Jungs gehabt, und hab sie während der Messe immer wieder angeschaut und mit Gedanken über die Priesterweihe gemacht.


Das ist schon verrückt, da kennt man die Leute teilweise schon seit 10 Jahren, und plötzlich sind sie geweiht, und damit in ihrem Wesen verändert. Ich hab mir kurz überlegt, ob das nicht was an meiner Freundschaft mit den Jungs ändert, aber das ist natürlich Quatsch. Sie sind immer noch die gleichen Leute. Aber irgendwie ist es auch kein Quatsch, schließlich haben sie jetzt wirklich und endgültig ihr Leben Gott geschenkt. Das ändert alles - zum Besseren! Mir ist heute mal wieder bewusst geworden, wie sehr mich Jesus durch die Augen anderer Menschen anschauen kann.Wie sehr ich auf diese Menschen angewiesen bin, dass sie ihn zu mir bringen und mich immer wieder an ihn erinnern. Dass ich ihm nicht alleine nachfolgen kann, nur in Gemeinschaft. Und dass ich diese Männer sehr bewundere für diesen Schritt, und auch ein bisschen beneide, weil sie es gewagt haben, sich wirklich ganz und gar in seine Hände zu legen, und ich das doch auch so gerne möchte (ja, es wäre wirklich schön, wenn ich bald ins Noviziat könnte).

Und dann habe ich mich einfach mit hinein nehmen lassen in dieses seltsame Geschehen, in dem Gott sich in Menschen auf den Weg zu uns macht, sich uns schenkt, uns nahe ist.

Wie viel schöner ist die Freundschaft mit den Jungs geworden, jetzt, wo Gott definitiv immer mit dabei ist! (Klar war er vorher auch schon dabei, aber jetzt ist er das auch noch auf eine wirklich besondere Weise, und für mich irgendwie leichter spürbar und erkennbar.)

Ganz ehrlich: das ist mir jeden Verzicht und jedes Gelübde wert, wenn ich dafür ganz und gar mit und für Gott leben kann, denn was für ein Verzicht kann das sein, wenn ich dafür alles geschenkt bekomme!

... und darum gehe ich ins Kloster.